← Studium · Dharma

Abhidhamma Master-Manual Vollstaendige Citta-Matrix · 89 Bewusstseinsarten · Pañcakkhandhā

„Wer die Welt als Schaum sieht, wer sie als Luftspiegelung sieht, den sieht der Koenig des Todes nicht."
Dhammapada 170 (Buddha)

Der Abhidhamma, die dritte „Korb-Sammlung" (Piṭaka) des Pāli-Kanons, analysiert die Wirklichkeit nicht in Dinge, sondern in Prozesse: dharmas, die im Bruchteil einer Sekunde entstehen und vergehen. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass das, was wir „Ich" nennen, nichts anderes ist als ein staendig wechselndes Buendel aus fuenf Gruppen, den Pañcakkhandhā (fuenf Daseinsgruppen oder Skandhas). Dieses Manual erschliesst die vollstaendige Phaenomenologie des Geistes: 89 Cittas (Bewusstseinsmomente) systematisch nach Sphaere, Art und Qualitaet geordnet.

I Die fuenf Daseinsgruppen (Pañcakkhandhā)
Der Buddha analysierte die „Person" in fuenf unpersoenliche Prozessstroeme. Keines davon ist ein Selbst; zusammen erzeugen sie den Schein eines handelnden Wesens. Das Durchschauen dieser fuenf Gruppen, ihre Vergaenglichkeit (anicca), Leidhaftigkeit (dukkha) und Selbstlosigkeit (anattā), ist das Kernziel der Vipassanā-Praxis.
Rūpa
„Wie ein Klumpen Schaum" (SN 22.95)
Materie, Koerperlichkeit. Umfasst 28 materielle Phaenomene: die vier Grundelemente (Mahābhūta) Erde (Festigkeit), Wasser (Kohäsion), Feuer (Waerme), Wind (Bewegung), plus 24 abgeleitete Formen: Sinnesorgane (Auge, Ohr, Nase, Zunge, Koerper), Sinnesobjekte, Lebensvermoegen, Nahrung, Raum und weitere. Rūpa hat keinerlei Bewusstsein; es ist immer Objekt, nie Subjekt.
Vedanā
„Wie eine Wasserblase"
Gefuehlston, Empfindungsqualitaet. Nicht „Emotion", sondern die blosse hedonische Toenung jedes Bewusstseinsmoments: koerperlich angenehm (sukha), koerperlich schmerzhaft (dukkha), geistig freudig (somanassa), geistig leidvoll (domanassa), gleichmuetig (upekkhā). Vedanā entsteht und vergeht mit jedem Citta; sie ist der Naehrboden fuer Begehren und Abneigung.
Saññā
„Wie eine Luftspiegelung"
Wahrnehmung, Wiedererkennung. Saññā erfasst die charakteristischen Merkmale (nimitta) eines Objekts und speichert sie als Wiedererkennungsmarke: Farbe, Form, Klang, Geruch, Bedeutung, zum Beispiel „Feuer", „Frau", „Freund". Sie kategorisiert und vergleicht Sinneserfahrungen und erzeugt dabei regelmaessig Projektionen und Fehlwahrnehmungen.
Saṅkhārā
„Wie ein Bananenstauden-Stamm"
Geistesformationen, Willensimpulse. 50 Cetasikas (Geistfaktoren), alles ausser Vedanā und Saññā: Absicht (cetanā), Aufmerksamkeit, Vertrauen, Energie, Achtsamkeit, Konzentration, Weisheit, aber auch Gier, Hass, Verblendung, Hochmut, Eifersucht. Cetanā (Wille) ist das karma schlechthin: sie faerbt jeden Bewusstseinsmoment heilsam oder unheilsam.
Viññāṇa
„Wie ein Zaubertrick"
Bewusstsein, Gewahrsein. Das blosse Registrieren eines Objekts, Sehen, Hoeren, Riechen, Schmecken, Tasten, Denken. Viññāṇa existiert nie allein; es entsteht immer zusammen mit Cetasikas. Der Abhidhamma differenziert 89 (oder 121) Cittas nach Sphaere, Wurzel, Qualitaet und Begleitfaktoren.
Citta-Typen: Akusala, 12 unheilsame Cittas (Gier, Hass, Verblendung) Ahetuka, 18 wurzellose Cittas (kein Motiv, reine Reaktion) Sobhana Kāmāvacara, 24 schoene sinnliche Cittas Rūpāvacara, 15 feinmaterielle Jhāna-Cittas Arūpāvacara, 12 immaterielle Jhāna-Cittas Lokuttara, 8 ueberweltliche Cittas (Nibbāna als Objekt)
II Verstehensarchitektur fuer Einsteiger

1. Was analysiert der Abhidhamma?

Der Abhidhamma analysiert nicht Personen, sondern momentane Ereignisse. Ein scheinbar kontinuierlicher Geist wird als Sequenz diskreter Bewusstseinsmomente verstanden. Kontinuitaet ist eine Wahrnehmungskonstruktion, nicht die elementare Beschreibungsebene.

Elementare Einheit: Citta Begleitfaktoren: Cetasikas Objektbezug: immer vorhanden

2. Was ist ein Citta?

Ein Citta ist ein einzelner, extrem kurzer Bewusstseinsimpuls. Er hat immer ein Objekt und tritt nie isoliert auf. Ein Citta besteht aus dem Bewusstsein selbst und einer Konfiguration begleitender Geistfaktoren. Die Geistfaktoren bestimmen Struktur, Faerbung und Funktion.

  • Viññāṇa: das Bewusstsein als Ereignis
  • Cetasikas: Faktoren, die das Ereignis strukturieren
  • Unterschiede zwischen Cittas entstehen durch unterschiedliche Faktorenkombinationen

3. Die 7 universellen Geistfaktoren

Diese sieben Cetasikas treten in jedem Citta ohne Ausnahme auf, in heilsamen, unheilsamen, resultativen und funktionalen Bewusstseinsmomenten. Sie sind das minimale Geruest jedes Bewusstseinsereignisses.

  1. Phassa: Kontakt, Zusammentreffen von Basis, Objekt und Bewusstsein
  2. Vedanā: Gefuehlston, angenehm, unangenehm oder neutral
  3. Saññā: Wahrnehmungsmarkierung, Wiedererkennung, Kategorisierung
  4. Cetanā: Absicht, Koordination, karmische Lenkung
  5. Ekaggatā: Einpunktigkeit, Sammlungsfaktor in jedem Citta
  6. Jīvitindriya: geistiges Lebensvermoegen, Erhaltung des mentalen Moments
  7. Manasikāra: Zuwendung, Hinwendung zum Objekt

4. Wie entstehen die 89 Cittas?

Die 89 Cittas sind eine systematische Matrix. Sie zaehlt nicht Inhalte, sondern strukturelle Moeglichkeiten. Ein Citta wird klassifiziert entlang mehrerer Achsen, die zusammen seine Art eindeutig festlegen.

  • Sphaere: sinnlich, feinmateriell, immateriell, ueberweltlich
  • Wurzel: mit Gier, Hass, Verblendung oder mit Nicht-Gier, Nicht-Hass, Nicht-Verblendung oder wurzellos
  • Funktion: heilsam, Resultat, funktional
  • Struktur: Gefuehlston, Weisheit, Entstehungsweise

5. Sphaerenmodell als Komplexitaetsmodell

Die vier Sphaeren sind keine Orte, sondern Grade der Verfeinerung und Vereinfachung der Bewusstseinsstruktur. Je hoeher die Sphaere, desto stabiler und weniger reizgetrieben ist die Citta-Konfiguration.

  • Kāmāvacara: Sinnensphaere, hohe Reizvielfalt, alltaegliche Prozesse
  • Rūpāvacara: feinmateriell, Jhāna-basierte Stabilisierung
  • Arūpāvacara: immateriell, Objektabstraktion ohne materielle Bezugnahme
  • Lokuttara: ueberweltlich, Nibbāna als Objekt

6. Jhāna als Struktur des Citta

Jhāna ist eine spezielle Citta-Konfiguration mit hoher Stabilitaet. Entscheidend ist nicht ein mystischer Zusatz, sondern die systematische Reduktion und Ordnung mentaler Faktoren. Mit jeder Jhāna-Stufe entfallen bestimmte Faktoren.

  • Erstes Jhāna: Vitakka, Vicāra, Pīti, Sukha, Ekaggatā
  • Zweites Jhāna: ohne Vitakka
  • Drittes Jhāna: ohne Vicāra
  • Viertes Jhāna: ohne Pīti
  • Fuenftes Jhāna: Upekkhā und Ekaggatā

7. Lokuttara logisch verstehen

Lokuttara-Cittas sind einzelne Durchbruchmomente. Sie sind nicht dauerhaft, sondern entstehen als klar definierte Ereignisse. Der strukturelle Unterschied liegt primaer im Objekt: Nibbāna als unbedingtes Objekt, nicht in einem neuen psychischen Stoff.

  • Magga: Pfad-Citta, entsteht einmal je Stufe, zerstoert Fesseln
  • Phala: Frucht-Citta, folgt unmittelbar, spaeter erneut erfahrbar
  • Vier Stufen: Stromeintritt, Einmalwiederkehr, Nichtwiederkehr, Arahantschaft

8. Warum die Matrix ohne Prozess kaum lesbar ist

Die 89 Cittas sind keine Vokabelliste, sondern Bausteine eines Ablaufs. Ein Einsteiger versteht die Tabellen erst, wenn klar ist: jedes Citta ist ein Moment mit Objekt und Faktoren, und die Abfolge dieser Momente bildet den erlebten Strom.

  • Einzelmoment: Citta als Ereignis
  • Innenstruktur: universelle und variable Faktoren
  • System: Klassifikation nach Sphaere, Wurzel, Funktion und Struktur
  • Dynamik: Abfolge im Bewusstseinsprozess
III Die Matrix der 89 Cittas im Einzelnen
1. Sinnensphaere (Kāmāvacara), 54 Bewusstseinsarten
Die Kāmāvacara-Cittas sind die Bewusstseinsmomente des gewoehnlichen sinnlichen Alltags. Sie entstehen in den fuenf Sinnesbereichen (Sehen, Hoeren, Riechen, Schmecken, Beruehren) und im mentalen Bereich. Sie werden nach drei Qualitaeten klassifiziert: Akusala (unheilsam, karmisch schaedlich), Ahetuka (wurzellos, weder heilsam noch unheilsam, rein reaktiv) und Sobhana (schoen, heilsam oder deren Resultate und funktionale Entsprechungen).
12 Akusala unheilsam (karmisch schaedlich)
Alle 12 unheilsamen Cittas entstehen aus drei Wurzeln: Lobha (Gier, Begehren), Dosa (Hass, Abneigung) und Moha (Verblendung). Die ersten 8 sind lobha-mūla (gier-verwurzelt), Nummer 9 bis 10 dosa-mūla (hass-verwurzelt), Nummer 11 und 12 moha-mūla (verblendungs-verwurzelt). „Asaṅkhārika" bedeutet spontan entstanden; „Sasaṅkhārika" bedeutet durch aeussere Ueberzeugung oder eigenes Anstreben ausgeloest.
Nr.Pāli-BezeichnungDeutsch
1Somanassa·sahagataṃ diṭṭhigata·sampayuttaṃ asaṅkhārikaṃGier, Freude, falsche Ansicht, spontan
2Somanassa·sahagataṃ diṭṭhigata·sampayuttaṃ sasaṅkhārikaṃGier, Freude, falsche Ansicht, induziert
3Somanassa·sahagataṃ diṭṭhigata·vippayuttaṃ asaṅkhārikaṃGier, Freude, ohne Ansicht, spontan
4Somanassa·sahagataṃ diṭṭhigata·vippayuttaṃ sasaṅkhārikaṃGier, Freude, ohne Ansicht, induziert
5Upekkhā·sahagataṃ diṭṭhigata·sampayuttaṃ asaṅkhārikaṃGier, Gleichmut, falsche Ansicht, spontan
6Upekkhā·sahagataṃ diṭṭhigata·sampayuttaṃ sasaṅkhārikaṃGier, Gleichmut, falsche Ansicht, induziert
7Upekkhā·sahagataṃ diṭṭhigata·vippayuttaṃ asaṅkhārikaṃGier, Gleichmut, ohne Ansicht, spontan
8Upekkhā·sahagataṃ diṭṭhigata·vippayuttaṃ sasaṅkhārikaṃGier, Gleichmut, ohne Ansicht, induziert
9Domanassa·sahagataṃ paṭigha·sampayuttaṃ asaṅkhārikaṃHass, Unmut, Widerwillen, spontan
10Domanassa·sahagataṃ paṭigha·sampayuttaṃ sasaṅkhārikaṃHass, Unmut, Widerwillen, induziert
11Upekkhā·sahagataṃ vicikicchā·sampayuttaṃVerblendung und Zweifel (vicikicchā)
12Upekkhā·sahagataṃ uddhacca·sampayuttaṃVerblendung und Ruhelosigkeit (uddhacca)
18 Ahetuka wurzellos, keine karmische Absicht
„Ahetuka" bedeutet ohne Ursachenwurzel (kein Lobha, Dosa, Moha und kein Alobha, Adosa, Amoha). Diese Cittas entstehen automatisch als blosse Reaktion auf Sinnesreize oder als funktionale Schaltelemente im Bewusstseinsprozess. Sieben sind unheilsame Resultate (Nummer 13 bis 19), acht heilsame Resultate (20 bis 27), drei rein funktional (28 bis 30). Hasituppāda (Nummer 30), das „Laechelns-Bewusstsein", ist exklusiv fuer vollstaendig erwachte Wesen (Arahants).
Nr.Pāli-BezeichnungDeutsch
Unheilsame Resultate (7)
13Cakkhu·viññāṇa (upekkhā)Sehbewusstsein, neutrales Gefuehl
14Sota·viññāṇa (upekkhā)Hoerbewusstsein, neutral
15Ghāna·viññāṇa (upekkhā)Riechbewusstsein, neutral
16Jivhā·viññāṇa (upekkhā)Schmeckbewusstsein, neutral
17Kāya·viññāṇa (dukkha)Koerperbewusstsein, Schmerz
18Sampaṭicchana (upekkhā)Aufnehmend, unheilsames Resultat
19Santīraṇa (upekkhā)Untersuchend, unheilsames Resultat
Heilsame Resultate (8)
20Cakkhu·viññāṇa (upekkhā)Sehbewusstsein, heilsames Resultat
21Sota·viññāṇa (upekkhā)Hoerbewusstsein, heilsames Resultat
22Ghāna·viññāṇa (upekkhā)Riechbewusstsein, heilsames Resultat
23Jivhā·viññāṇa (upekkhā)Schmeckbewusstsein, heilsames Resultat
24Kāya·viññāṇa (sukha)Koerperbewusstsein, Wohlgefuehl
25Sampaṭicchana (upekkhā)Aufnehmend, heilsames Resultat
26Santīraṇa (upekkhā)Untersuchend, heilsames Resultat
27Santīraṇa (somanassa)Untersuchend mit Freude, heilsames Resultat
Funktional (3)
28PañcadvārāvajjanaFuenftorige Zuwendung (Aufmerksamkeitsschalter)
29ManodvārāvajjanaGeisttorige Zuwendung und Bestimmen (Votthapana)
30HasituppādaLaechelns-Bewusstsein (nur Arahants)
24 Sobhana schoen, sinnliche Sphaere
Die 24 schoenen Kāmāvacara-Cittas entstehen aus heilsamen Wurzeln (Alobha, Adosa, Amoha). Sie teilen sich in drei Gruppen zu je acht: Kusala (heilsam, karmisch wirksam, Nummer 31 bis 38), Vipāka (Resultate dieser Handlungen, 39 bis 46) und Kiriya (funktional fuer Arahants, karmisch neutral, 47 bis 54). Jedes Oktett variiert nach Gefuehlston (Freude oder Gleichmut), Weisheit (mit oder ohne ñāṇa) und Entstehungsweise (spontan oder induziert).
Nr.Pāli-BezeichnungDeutsch
Kusala, heilsam (31 bis 38)
31Somanassa·sahagataṃ ñāṇa·sampayuttaṃ asaṅkhārikaṃFreude, mit Weisheit, spontan
32Somanassa·sahagataṃ ñāṇa·sampayuttaṃ sasaṅkhārikaṃFreude, mit Weisheit, induziert
33Somanassa·sahagataṃ ñāṇa·vippayuttaṃ asaṅkhārikaṃFreude, ohne Weisheit, spontan
34Somanassa·sahagataṃ ñāṇa·vippayuttaṃ sasaṅkhārikaṃFreude, ohne Weisheit, induziert
35Upekkhā·sahagataṃ ñāṇa·sampayuttaṃ asaṅkhārikaṃGleichmut, mit Weisheit, spontan
36Upekkhā·sahagataṃ ñāṇa·sampayuttaṃ sasaṅkhārikaṃGleichmut, mit Weisheit, induziert
37Upekkhā·sahagataṃ ñāṇa·vippayuttaṃ asaṅkhārikaṃGleichmut, ohne Weisheit, spontan
38Upekkhā·sahagataṃ ñāṇa·vippayuttaṃ sasaṅkhārikaṃGleichmut, ohne Weisheit, induziert
Vipāka, heilsame Resultate (39 bis 46)
39(entspricht Nummer 31) vipākaResultat: Freude, Weisheit, spontan
40(entspricht Nummer 32) vipākaResultat: Freude, Weisheit, induziert
41(entspricht Nummer 33) vipākaResultat: Freude, ohne Weisheit, spontan
42(entspricht Nummer 34) vipākaResultat: Freude, ohne Weisheit, induziert
43(entspricht Nummer 35) vipākaResultat: Gleichmut, Weisheit, spontan
44(entspricht Nummer 36) vipākaResultat: Gleichmut, Weisheit, induziert
45(entspricht Nummer 37) vipākaResultat: Gleichmut, ohne Weisheit, spontan
46(entspricht Nummer 38) vipākaResultat: Gleichmut, ohne Weisheit, induziert
Kiriya, funktional fuer Arahants (47 bis 54)
47(entspricht Nummer 31) kiriyaFunktional: Freude, Weisheit, spontan
48(entspricht Nummer 32) kiriyaFunktional: Freude, Weisheit, induziert
49(entspricht Nummer 33) kiriyaFunktional: Freude, ohne Weisheit, spontan
50(entspricht Nummer 34) kiriyaFunktional: Freude, ohne Weisheit, induziert
51(entspricht Nummer 35) kiriyaFunktional: Gleichmut, Weisheit, spontan
52(entspricht Nummer 36) kiriyaFunktional: Gleichmut, Weisheit, induziert
53(entspricht Nummer 37) kiriyaFunktional: Gleichmut, ohne Weisheit, spontan
54(entspricht Nummer 38) kiriyaFunktional: Gleichmut, ohne Weisheit, induziert
2. Feinmaterielle Sphaere (Rūpāvacara), 15 Jhāna-Cittas
15 Rūpāvacara Vertiefungs-Bewusstsein (fuenf Jhānas mal drei)
Rūpāvacara-Cittas entstehen im Jhāna, tiefer meditativer Versenkung. Die fuenf Jhāna-Stufen unterscheiden sich durch das schrittweise Loslassen von Jhāna-Faktoren: Das erste Jhāna hat Gedankenaufsatz (vitakka), Nachdenken (vicāra), Verzueckung (pīti), Glueck (sukha) und Einpunktigkeit (ekaggatā). Mit jeder hoeheren Jhāna-Stufe entfallen bestimmte Faktoren. Jede Stufe existiert als Kusala, als Vipāka (bei Wiedergeburt in Brahma-Welten wirksam) und als Kiriya (funktional fuer Arahants).
Nr.Pāli-NameJhāna-Faktoren, Typ
Kusala (55 bis 59)
55Paṭhamajjhāna kusalaErstes Jhāna, heilsam (Vitakka, Vicāra, Pīti, Sukha, Ekaggatā)
56Dutiyajjhāna kusalaZweites Jhāna, heilsam (Vicāra, Pīti, Sukha, Ekaggatā)
57Tatiyajjhāna kusalaDrittes Jhāna, heilsam (Pīti, Sukha, Ekaggatā)
58Catutthajjhāna kusalaViertes Jhāna, heilsam (Sukha, Ekaggatā)
59Pañcamajjhāna kusalaFuenftes Jhāna, heilsam (Upekkhā, Ekaggatā)
Vipāka (60 bis 64)
60Paṭhamajjhāna vipākaErstes Jhāna, Resultat
61Dutiyajjhāna vipākaZweites Jhāna, Resultat
62Tatiyajjhāna vipākaDrittes Jhāna, Resultat
63Catutthajjhāna vipākaViertes Jhāna, Resultat
64Pañcamajjhāna vipākaFuenftes Jhāna, Resultat
Kiriya, nur Arahants (65 bis 69)
65Paṭhamajjhāna kiriyaErstes Jhāna, funktional
66Dutiyajjhāna kiriyaZweites Jhāna, funktional
67Tatiyajjhāna kiriyaDrittes Jhāna, funktional
68Catutthajjhāna kiriyaViertes Jhāna, funktional
69Pañcamajjhāna kiriyaFuenftes Jhāna, funktional
12 Arūpāvacara immateriell (vier Stufen mal drei)
Die vier Arūpajhānas (formlose Versenkungen) transzendieren alle materiellen Objekte vollstaendig. Der Meditierende wechselt vom Rūpajhāna zu einem unendlich ausgedehnten, objektlosen Raum als Meditationsstuetze. Jede Stufe vertieft die Immaterialitaet: von unendlichem Raum ueber unendliches Bewusstsein und Nichtsheit bis zur subtilsten Grenze, „weder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung" (nevasaññānāsaññāyatana). Auch hier gilt: Kusala, Vipāka, Kiriya.
Nr.Pāli-NameBeschreibung
Kusala (70 bis 73)
70Ākāsānañcāyatana kusalaUnendlicher Raum, heilsam
71Viññāṇañcāyatana kusalaUnendliches Bewusstsein, heilsam
72Ākiñcaññāyatana kusalaNichtsheit (Akiñcañña), heilsam
73Nevasaññānāsaññāyatana kusalaWeder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung, heilsam
Vipāka (74 bis 77)
74Ākāsānañcāyatana vipākaUnendlicher Raum, Resultat
75Viññāṇañcāyatana vipākaUnendliches Bewusstsein, Resultat
76Ākiñcaññāyatana vipākaNichtsheit, Resultat
77Nevasaññānāsaññāyatana vipākaWeder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung, Resultat
Kiriya, nur Arahants (78 bis 81)
78Ākāsānañcāyatana kiriyaUnendlicher Raum, funktional
79Viññāṇañcāyatana kiriyaUnendliches Bewusstsein, funktional
80Ākiñcaññāyatana kiriyaNichtsheit, funktional
81Nevasaññānāsaññāyatana kiriyaWeder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung, funktional
3. Ueberweltliche Sphaere (Lokuttara), 8 Cittas (Nibbāna als Objekt)
8 Lokuttara vier Pfade und vier Fruechte, karmisch befreiend
Magga (Pfad-Cittas, Nummer 82 bis 85) entstehen genau einmal im Leben eines Meditierenden beim Durchbrechen der jeweiligen Fesseln (saṃyojana). Sie sind nicht wiederholbar. Im selben Prozesszug folgen unmittelbar darauf die Phala-Cittas (Frucht-Cittas, Nummer 86 bis 89), auch mehrmals erfahrbar in spaeteren Sitzungen (phala-samāpatti). Beide nehmen Nibbāna als Objekt, also etwas prinzipiell Nicht-Bedingtes.
Die vier Stufen: (1) Sotāpatti, Stromeintritt: vernichtet falsche Ansicht, Zweifel, Anhaftung an Riten. (2) Sakadāgāmi, Einmalwiederkehr: schwaecht Gier und Hass stark ab. (3) Anāgāmi, Nichtwiederkehr: vernichtet Gier und Hass vollstaendig. (4) Arahatta, vollstaendige Befreiung: vernichtet die letzten fuenf Fesseln (Gier nach feiner Materie, nach Immateriellem, Hochmut, Unruhe, Unwissenheit).
Nr.Pāli-NameStufeVernichtete Fesseln
Magga, Pfad (vier Pfad-Momente)
82Sotāpatti maggaPfad des StromeintrittsFalsche Ansicht (sakkāyadiṭṭhi), Zweifel, Regelanhaftung
83Sakadāgāmi maggaPfad der EinmalwiederkehrGrobe Sinnesgier und Uebelwollen (geschwaecht)
84Anāgāmi maggaPfad der NichtwiederkehrSinnesgier und Uebelwollen (vollstaendig)
85Arahatta maggaPfad der Heiligkeit (Arahantschaft)Gier nach feinen Welten, Hochmut, Unruhe, Unwissenheit
Phala, Frucht (vier Frucht-Cittas)
86Sotāpatti phalaFrucht des StromeintrittsUnmittelbar auf Pfad 1 folgend, wiederholbar
87Sakadāgāmi phalaFrucht der EinmalwiederkehrUnmittelbar auf Pfad 2 folgend, wiederholbar
88Anāgāmi phalaFrucht der NichtwiederkehrUnmittelbar auf Pfad 3 folgend, wiederholbar
89Arahatta phalaFrucht der HeiligkeitVollstaendige Befreiung, parinibbāna nach dem Tod
Jedes dieser 8 Cittas kann mit jedem der fuenf Jhāna-Niveaus kombiniert auftreten; daher spricht der Abhidhamma manchmal von 40 (oder mehr) Lokuttara-Cittas. Im einfachen System zaehlt man 8.
IV Kausalprozess des Bewusstseins
Der 17-Moment-Bewusstseinsprozess (Citta-Vīthi)
Bei jedem Sinnesreiz durchlaeuft der Geist innerhalb einer einzigen Augenblickswahrnehmung eine streng geordnete Abfolge von bis zu 17 Bewusstseinsmomenten. Dieser Mikro-Prozess ist zu schnell fuer normale Beobachtung; nur tiefe Samādhi-Praxis und Einsichtswissen machen ihn zugaenglich. Karmisch entscheidend sind allein die 7 Javanas; alle anderen Momente sind neutral oder rein reaktiv.
1
Bhavanga (dreimal)Unterschwelliger Lebensstrom, Vibration (calana), dann Unterbrechung (upaccheda)
2
PañcadvārāvajjanaFuenftorige Zuwendung, „Was ist das?" (Nummer 28)
3
PañcaviññāṇaSinnesbewusstsein: Sehen, Hoeren, Riechen, Schmecken, Tasten (Nummer 13 bis 17 oder 20 bis 24)
4
SampaṭicchanaAufnehmend, das Objekt wird „empfangen" (Nummer 18 oder 25)
5
SantīraṇaUntersuchend, Bewertung des Objekts (Nummer 19, 26 oder 27)
6
VotthapanaBestimmend, legt die Reaktionsrichtung fest (entspricht Nummer 29)
7
Javana (siebenmal)Hier entsteht Karma. Diese sieben schnellen Impulse sind heilsam oder unheilsam; ihr kumulativer Effekt formt Charakter und Gewohnheit.
8
Tadālambana (zweimal, optional)Nachklingendes Registrieren, nur bei starken Reizen. Danach Rueckkehr zum Bhavanga.