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SN35.243

19. Das Kapitel über das Gleichnis von den Giftschlangen

19. Āsīvisavagga

Die Darlegung des Triefenden

Einmal hielt sich der Buddha im Land der Sakyer bei Kapilavatthu auf, im Banyanbaum-Kloster. Nun war da gerade kürzlich für die Sakyer von Kapilavatthu eine neue Ratshalle erbaut worden. Bisher war sie noch von keinem Asketen oder Brahmanen oder von irgendeinem menschlichen Wesen benutzt worden.

Da gingen die Sakyer von Kapilavatthu zum Buddha, verbeugten sich, setzten sich zur Seite hin und sagten zu ihm: „Herr, kürzlich wurde für die Sakyer von Kapilavatthu eine neue Ratshalle erbaut. Sie ist noch von keinem Asketen oder Brahmanen oder von irgendeinem menschlichen Wesen benutzt worden. Der Buddha möchte der Erste sein, der sie benutzt, und erst danach wollen die Sakyer von Kapilavatthu sie benutzen. Das wäre zum langanhaltenden Nutzen und Glück der Sakyer von Kapilavatthu.“ Der Buddha schwieg zum Zeichen der Zustimmung.

Da erhoben sich, als sie die Zustimmung des Buddha erkannt hatten, die Sakyer von ihren Sitzen, verbeugten sich und umrundeten den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt. Dann gingen sie zu ihrer neuen Ratshalle, breiteten überall Teppiche aus, richteten Sitze her, brachten einen Krug mit Wasser und stellten eine Öllampe auf. Dann gingen sie zum Buddha zurück, berichteten von ihren Vorbereitungen und sagten: „Bitte, Herr, komm nach deinem Belieben.“

Da kleidete der Buddha sich an, nahm Schale und Robe und ging zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen zu der neuen Ratshalle. Er wusch seine Füße, betrat die Ratshalle und setzte sich gegen den Mittelpfeiler mit Blick nach Osten. Auch der Saṅgha der Mönche und Nonnen wusch seine Füße, betrat die Ratshalle und setzte sich gegen die westliche Wand mit Blick nach Osten, sodass der Buddha vor ihnen saß. Auch die Sakyer von Kapilavatthu wuschen ihre Füße, betraten die Ratshalle und setzten sich gegen die östliche Wand mit Blick nach Westen, sodass der Buddha vor ihnen saß. Einen großen Teil der Nacht verbrachte der Buddha damit, die Sakyer mit einem Dhammavortrag anzuleiten, zu ermuntern, zu begeistern und zu erheben. Dann entließ er sie mit den Worten: „Die Nacht ist fortgeschritten, Gotamas. Bitte geht nach eurem Belieben.“

„Ja, Herr“, antworteten die Sakyer. Sie erhoben sich von ihren Sitzen, verbeugten sich, umrundeten den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und gingen.

Als sie gegangen waren, wandte sich der Buddha an den Ehrwürdigen Mahāmoggallāna: „Moggallāna, da ist keine Dumpfheit oder Benommenheit im Saṅgha der Mönche und Nonnen. Halte einen Dhammavortrag für sie, wie es dir einfällt. Mein Rücken schmerzt, ich will ihn ausstrecken.“

„Ja, Herr“, antwortete Mahāmoggallāna. Da faltete der Buddha seine äußere Robe vierfach, breitete sie aus und legte sich in der Haltung des Löwen nieder – auf die rechte Seite, einen Fuß auf den anderen gelegt – achtsam und der Situation bewusst, den Geist auf die Zeit des Aufstehens gerichtet.

Da wandte sich der Ehrwürdige Mahāmoggallāna an die Mönche und Nonnen: „Geehrte, Mönche und Nonnen!“

„Geehrter“, antworteten sie. Der Ehrwürdige Mahāmoggallāna sagte:

„Geehrte, ich will euch die Darlegung des Triefenden und des Nicht-Triefenden lehren. Hört zu und gebraucht den Geist gut, ich werde sprechen.“

„Ja, Geehrter“, antworteten sie. Der Ehrwürdige Mahāmoggallāna sagte:

„Und wie trieft jemand?

Da sieht ein Mönch mit dem Auge ein Bild. Wenn es angenehm ist, hält er daran fest, aber wenn es unangenehm ist, lehnt er es ab. Seine Achtsamkeit auf den Körper ist nicht verankert und sein Herz ist eng. Und er versteht nicht wahrhaftig die Freiheit des Herzens und die Freiheit durch Weisheit, wo diese entstandenen schlechten, untauglichen Eigenschaften restlos aufhören.

Er hört mit dem Ohr einen Ton … riecht mit der Nase einen Geruch … schmeckt mit der Zunge einen Geschmack … empfindet mit dem Körper eine Berührung … erkennt mit dem Geist eine Vorstellung. Wenn sie angenehm ist, hält er daran fest, aber wenn sie unangenehm ist, lehnt er sie ab. Seine Achtsamkeit auf den Körper ist nicht verankert und sein Herz ist eng. Und er versteht nicht wahrhaftig die Freiheit des Herzens und die Freiheit durch Weisheit, wo diese entstandenen schlechten, untauglichen Eigenschaften restlos aufhören.

Das nennt man einen Mönch, der trieft in Bezug auf Bilder, die das Auge erkennt, in Bezug auf Töne … auf Gerüche … auf Geschmäcke … auf Berührungen … auf Vorstellungen, die der Geist erkennt.

Wenn ein Mönch so lebt, so findet Māra, wenn er durch das Auge zu ihm kommt, einen Angriffspunkt und bekommt ihn zu fassen. Wenn Māra durch das Ohr … durch die Nase … durch die Zunge … durch den Körper … durch den Geist zu ihm kommt, so findet er einen Angriffspunkt und bekommt ihn zu fassen.

Wie ein Haus aus ausgetrocknetem, verdorrtem, heruntergekommenem Schilf oder Gras: Wenn ein Mensch von Osten, von Westen, von Norden, von Süden, von unten, von oben oder von irgendwoher mit einer brennenden Grasfackel zu ihm käme, würde das Feuer einen Angriffspunkt finden und das Haus zu fassen bekommen.

Ebenso findet Māra bei einem Mönch, der so lebt, wenn er durch das Auge zu ihm kommt, einen Angriffspunkt und bekommt ihn zu fassen. Wenn Māra durch das Ohr … durch die Nase … durch die Zunge … durch den Körper … durch den Geist zu ihm kommt, so findet er einen Angriffspunkt und bekommt ihn zu fassen.

Wenn ein Mönch so lebt, wird er von Bildern bemeistert und meistert nicht die Bilder, er wird von Tönen … von Gerüchen … von Geschmäcken … von Berührungen … von Vorstellungen bemeistert und meistert nicht die Vorstellungen.

Das nennt man einen Mönch, der von Bildern, Tönen, Gerüchen, Geschmäcken, Berührungen und Vorstellungen bemeistert wurde. Er ist ein Bemeisterter, kein Meister. Schlechte, untaugliche Eigenschaften haben ihn bemeistert, die verunreinigen, zu künftigen Leben führen, die beschwerlich sind, zu Leiden führen, zu Wiedergeburt, Alter und Tod.

So trieft jemand.

Und wie trieft jemand nicht?

Da sieht ein Mönch mit dem Auge ein Bild. Wenn es angenehm ist, hält er nicht daran fest, und wenn es unangenehm ist, lehnt er es nicht ab. Seine Achtsamkeit auf den Körper ist verankert und sein Herz ist grenzenlos. Und er versteht wahrhaftig die Freiheit des Herzens und die Freiheit durch Weisheit, wo diese entstandenen schlechten, untauglichen Eigenschaften restlos aufhören.

Er hört mit dem Ohr einen Ton … riecht mit der Nase einen Geruch … schmeckt mit der Zunge einen Geschmack … empfindet mit dem Körper eine Berührung … erkennt mit dem Geist eine Vorstellung. Wenn sie angenehm ist, hält er nicht daran fest, und wenn sie unangenehm ist, lehnt er sie nicht ab. Seine Achtsamkeit auf den Körper ist verankert und sein Herz ist grenzenlos. Und er versteht wahrhaftig die Freiheit des Herzens und die Freiheit durch Weisheit, wo diese entstandenen schlechten, untauglichen Eigenschaften restlos aufhören.

Das nennt man einen Mönch, der nicht trieft ist in Bezug auf Bilder, die das Auge erkennt, in Bezug auf Töne … auf Gerüche … auf Geschmäcke … auf Berührungen … auf Vorstellungen, die der Geist erkennt.

Wenn ein Mönch so lebt, so findet Māra, wenn er durch das Auge zu ihm kommt, keinen Angriffspunkt und bekommt ihn nicht zu fassen. Wenn Māra durch das Ohr … durch die Nase … durch die Zunge … durch den Körper … durch den Geist zu ihm kommt, so findet er keinen Angriffspunkt und bekommt ihn nicht zu fassen.

Wie ein Giebelhaus oder eine Halle aus dickem Lehm, deren Verputz noch nass wäre: Wenn ein Mensch von Osten, von Westen, von Norden, von Süden, von unten, von oben oder von irgendwoher mit einer brennenden Grasfackel zu ihm käme, würde das Feuer keinen Angriffspunkt finden und das Haus nicht zu fassen bekommen.

Ebenso findet Māra bei einem Mönch, der so lebt, wenn er durch das Auge zu ihm kommt, keinen Angriffspunkt und bekommt ihn nicht zu fassen. Wenn Māra durch das Ohr … durch die Nase … durch die Zunge … durch den Körper … durch den Geist zu ihm kommt, so findet er keinen Angriffspunkt und bekommt ihn nicht zu fassen.

Wenn ein Mönch so lebt, meistert er die Bilder und wird nicht von Bildern bemeistert, er meistert die Töne … die Gerüche … die Geschmäcke … die Berührungen … die Vorstellungen und wird nicht von Vorstellungen bemeistert.

Das nennt man einen Mönch, der Bilder, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Berührungen und Vorstellungen gemeistert hat. Er ist ein Meister, kein Bemeisterter. Schlechte, untaugliche Eigenschaften wurden von ihm gemeistert, die verunreinigen, zu künftigen Leben führen, die beschwerlich sind, zu Leiden führen, zu Wiedergeburt, Alter und Tod.

So trieft jemand nicht.“

Da erhob sich der Buddha und sagte zum Ehrwürdigen Mahāmoggallāna:

„Gut, gut, Moggallāna! Es ist gut, dass du diese Darlegung des Triefenden und des Nicht-Triefenden gegeben hast.“

Das sagte der Ehrwürdige Mahāmoggallāna, und der Lehrer begrüßte es. Zufrieden begrüßten die Mönche und Nonnen die Worte des Ehrwürdigen Mahāmoggallāna.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).