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SN35.238

19. Das Kapitel über das Gleichnis von den Giftschlangen

19. Āsīvisavagga

Das Gleichnis von den Giftschlangen

„Mönche und Nonnen, angenommen, da wären vier Giftschlangen mit tödlichem Gift. Dann käme da ein Mensch, der leben wollte und nicht sterben, der Glück wollte und vor Schmerz zurückschreckte.

Man sagte zu ihm: ‚He, Mann, hier sind vier Giftschlangen mit tödlichem Gift. Sie müssen von Zeit zu Zeit aufgenommen, gewaschen, gefüttert und schlafen gelegt werden. Aber wenn eine der vier Giftschlangen zornig auf dich wird, treffen dich Tod oder tödlicher Schmerz. So tue also, was getan werden muss.‘

Da würde dieser Mann voller Furcht vor den vier Giftschlangen hierhin oder dorthin fliehen.

Man sagte zu ihm: ‚He, Mann, da sind fünf Todfeinde, die dich verfolgen: „Wenn wir ihn erwischen, werden wir ihn auf der Stelle umbringen!“ So tue also, was getan werden muss.‘

Da würde dieser Mann voller Furcht vor den vier Giftschlangen und den fünf Todfeinden hierhin oder dorthin fliehen.

Man sagte zu ihm: ‚He, Mann, da ist ein sechster verborgener Mörder mit gezogenem Schwert, der dich verfolgt: „Wenn ich ihn erwische, werde ich ihm auf der Stelle den Kopf abschlagen!“ So tue also, was getan werden muss.‘

Da würde dieser Mann voller Furcht vor den vier Giftschlangen und den fünf Todfeinden und dem verborgenen Mörder hierhin oder dorthin fliehen.

Er sähe ein leeres Dorf. Aber jedes Haus, das er betritt, ist unbewohnt, verlassen und leer. Und jedes Gefäß, das er berührt, ist inhaltslos, hohl und leer.

Man sagte zu ihm: ‚He, Mann, da sind Räuber, die Dörfer überfallen, und sie schlagen jetzt zu. So tue also, was getan werden muss.‘

Da würde dieser Mann voller Furcht vor den vier Giftschlangen und den fünf Todfeinden und dem verborgenen Mörder und den Räubern hierhin oder dorthin fliehen.

Er sähe eine große Sintflut; dieses Ufer wäre bedrohlich und gefährlich, während das andere Ufer ein Refugium frei von Gefahr wäre. Doch es gäbe keine Fähre oder Brücke, um hinüberzugelangen.

Da dächte der Mann: ‚Warum sammle ich nicht Gras, Stöcke, Zweige und Blätter und baue ein Floß? Wenn ich auf dem Floß sitze und mit Händen und Füßen paddele, kann ich sicher zum anderen Ufer gelangen.‘

Und genau das täte er. Nachdem er hinübergelangt und darüber hinausgegangen ist, steht der Brahmane auf festem Boden.

Ich habe mir dieses Gleichnis ausgedacht, um etwas deutlich zu machen. Und das ist die Bedeutung:

‚Vier Giftschlangen mit tödlichem Gift‘ ist ein Ausdruck für die vier Grundzustände: die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Wind.

‚Fünf Todfeinde‘ ist ein Ausdruck für die fünf mit Ergreifen verbundenen Aggregate: nämlich Form, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein.

‚Der sechste verborgene Mörder mit gezogenem Schwert‘ ist ein Ausdruck für Genießen und Gier.

‚Leeres Dorf‘ ist ein Ausdruck für die sechs inneren Sinnesfelder. Wenn ein kluger, fähiger und verständiger Mensch dieses in Bezug auf das Auge erforscht, erscheint es inhaltslos, hohl und leer. Wenn ein kluger, fähiger und verständiger Mensch es in Bezug auf das Ohr … die Nase … die Zunge … den Körper … oder den Geist erforscht, erscheint es inhaltslos, hohl und leer.

‚Räuber, die Dörfer überfallen‘ ist ein Ausdruck für die sechs äußeren Sinnesfelder. Das Auge wird von angenehmen und unangenehmen Bildern getroffen. Das Ohr … Die Nase … Die Zunge … Der Körper … Der Geist wird von angenehmen und unangenehmen Vorstellungen getroffen.

‚Große Sintflut‘ ist ein Ausdruck für die vier Fluten: die Flut der Sinnlichkeit, die Flut des Wunsches nach Wiedergeburt, die Flut der Ansichten und die Flut der Unwissenheit.

‚Dieses Ufer ist bedrohlich und gefährlich‘ ist ein Ausdruck für substanzielle Wirklichkeit.

‚Das andere Ufer, das ein Refugium frei von Gefahr ist‘ ist ein Ausdruck für das Erlöschen.

‚Das Floß‘ ist ein Ausdruck für den edlen achtfachen Pfad: nämlich rechte Ansicht, rechtes Denken, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechter Einsatz, rechte Achtsamkeit und rechte Versenkung.

‚Mit Händen und Füßen paddeln‘ ist ein Ausdruck für das Aufrütteln der Energie.

‚Nachdem er hinübergelangt und darüber hinausgegangen ist, steht der Brahmane auf festem Boden‘ ist ein Ausdruck für einen Vollendeten.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).