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SN22.90

9. Das Kapitel mit Altehrwürdigen

9. Theravagga

Mit Channa

Einmal hielten sich mehrere altehrwürdige Mönche und Nonnen bei Varanasi auf, im Wildpark bei Isipatana.

Da kam der Ehrwürdige Channa am späten Nachmittag aus seiner Klausur. Er nahm einen Schlüssel für den Riegel, ging von einer Hütte zur anderen, ging zu den altehrwürdigen Mönchen und Nonnen und sagte: „Dass die ehrwürdigen Ältesten mich doch unterrichten und anleiten! Dass sie mir einen Dhammavortrag halten, sodass ich die Lehre sehen kann!“

Darauf sagten die altehrwürdigen Mönche und Nonnen zu dem Ehrwürdigen Channa:

„Geehrter Channa, Form ist unbeständig, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein sind unbeständig. Form ist ohne Selbst, Gefühl, Wahrnehmung, Willensbildungsprozesse und Bewusstsein sind ohne Selbst. Alle Bedingungen sind unbeständig. Alle Dinge sind ohne Selbst.“

Da dachte der Ehrwürdige Channa: „Auch ich denke so … Und doch springt mein Geist beim Beruhigen aller Vorgänge, beim Loslassen aller Bindungen, beim Auflösen des Verlangens, beim Schwinden, Aufhören, Erlöschen nicht vorwärts, wird nicht zuversichtlich, setzt sich nicht und wird nicht entschlossen. Aufgrund der Unruhe entsteht Ergreifen und wendet sich ständig zurück zu dem Gedanken: ‚Wer genau ist denn also mein Selbst?‘ Doch das geschieht nicht bei jemandem, der die Lehre sieht. Wer kann mich den Dhamma lehren, sodass ich die Lehre sehen kann?“

Da dachte der Ehrwürdige Channa: „Der Ehrwürdige Ānanda hält sich bei Kosambī auf, in Ghositas Kloster. Er wurde vom Buddha gepriesen und von seinen vernünftigen geistlichen Gefährten geschätzt. Er wird mich den Dhamma lehren können, sodass ich die Lehre sehen kann. Da ich dem Ehrwürdigen Ānanda so sehr vertraue, warum gehe ich da nicht zu ihm?“

Da brachte Channa seine Unterkunft in Ordnung, nahm Schale und Robe und brach nach Kosambī auf. Dort begab er sich zum Ehrwürdigen Ānanda in Ghositas Kloster, tauschte Willkommensgrüße mit ihm aus und berichtete ihm, was geschehen war. Dann sagte er: „Dass der Ehrwürdige Ānanda mich doch unterrichte und anleite! Dass er mir einen Dhammavortrag halte, sodass ich die Lehre sehen kann!“

„Ich bin bereits erfreut über den Ehrwürdigen Channa. Hoffentlich hast du dich geöffnet und deine seelische Öde durchtrennt. Hör gut zu, Channa. Du bist in der Lage, die Lehre zu verstehen.“

Da wurde Channa auf der Stelle von erhabener Ekstase und Freude erfüllt: „Es scheint, ich bin in der Lage, die Lehre zu verstehen!“

„Geehrter Channa, ich habe unter den Augen des Buddha diese Unterweisung an den Mönch Kaccānagotta gehört und gelernt:

‚Kaccāna, diese Welt stützt sich überwiegend auf die Zweiheit von Sein und Nichtsein.

Doch bei einem, der den Ursprung der Welt wahrhaftig mit rechter Weisheit sieht, kommt das Konzept des Nichtseins in Bezug auf die Welt nicht auf. Und bei einem, der das Aufhören der Welt wahrhaftig mit rechter Weisheit sieht, kommt das Konzept des Seins in Bezug auf die Welt nicht auf.

Diese Welt ist überwiegend angekettet durch Verwicklung, Ergreifen und Auf-etwas-Bestehen.

Wenn es jedoch um diese Verwicklung, dieses Ergreifen, diese geistige Fixierung, dieses Auf-etwas-Bestehen und diese zugrunde liegenden Neigungen geht, und man lässt sich in den Gedanken ‚mein Selbst‘ nicht verwickeln, ergreift ihn nicht und fixiert sich nicht darauf, dann wird man keinen Zweifel haben, dass alles, was erscheint, nur Leiden ist, das erscheint, und alles, was aufhört, nur Leiden, das aufhört, und man wird darüber nicht verunsichert sein. Das Erkennen dieser Dinge ist von anderen unabhängig.

Insofern besteht rechte Ansicht.

„Alles ist“: Das ist das eine Extrem.

„Alles ist nicht“: Das ist das andere Extrem.

Der Klargewordene vermeidet diese beiden Extreme und lehrt den Dhamma auf die mittlere Art:

„Unwissenheit ist die Bedingung für Willensbildungsprozesse. Willensbildungsprozesse sind die Bedingung für Bewusstsein. … So kommt diese ganze Masse des Leidens zustande.

Wenn Unwissenheit schwindet und restlos aufhört, hören Willensbildungsprozesse auf. … So hört diese ganze Masse des Leidens auf.“‘“

„Geehrter Ānanda, so ist es, wenn man solche Ehrwürdigen zu geistlichen Gefährten hat, die einen aus Anteilnahme und Hilfsbereitschaft unterweisen und anleiten. Und jetzt, da ich diese Unterweisung vom Ehrwürdigen Ānanda gehört habe, habe ich die Lehre erfasst.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).