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SN12.32

4. Das Kapitel mit Kaḷāra dem Adligen

4. Kaḷārakhattiyavagga

Mit Kaḷāra dem Adligen

In Sāvatthī.

Da ging der Mönch Kaḷāra der Adlige zum Ehrwürdigen Sāriputta und tauschte Willkommensgrüße mit ihm aus. Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzte er sich zur Seite hin und sagte zu ihm: „Geehrter Sāriputta, der Mönch Phagguna mit dem Scheitelknoten hat sich von der Schulung losgesagt und sich wieder einem geringeren Leben zugewandt.“

„Dieser Ehrwürdige kann in dieser Lehre und Schulung keine Befriedigung gefunden haben.“

„Nun, hat der Ehrwürdige Sāriputta in dieser Lehre und Schulung Befriedigung gefunden?“

„Geehrter, ich habe keine Ungewissheit.“

„Und in Zukunft?“

„Ich habe keinen Zweifel.“

Da ging Kaḷāra der Adlige zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm: „Herr, der Ehrwürdige Sāriputta hat sich für erleuchtet erklärt: ‚Ich verstehe: „Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.“‘“

Da wandte sich der Buddha an einen Mönch: „Bitte, Mönch, sag Sāriputta in meinem Namen, dass der Lehrer ihn rufen lässt.“

„Ja, Herr“, antwortete der Mönch. Er ging zu Sāriputta und sagte zu ihm: „Geehrter Sāriputta, der Lehrer lässt dich rufen.“

„Ja, Geehrter“, antwortete Sāriputta. Er ging zum Buddha, verbeugte sich und setzte sich zur Seite hin. Der Buddha sagte zu ihm: „Sāriputta, ist es wirklich wahr, dass du dich für erleuchtet erklärt hast: ‚Ich verstehe: „Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort“‘?“

„Herr, ich habe die Sache nicht in diese Worte und Ausdrücke gefasst.“

„Sāriputta, ganz gleich, auf welche Art ein ehrbarer Mensch seine Erleuchtung erklärt – was er erklärt hat, soll immer als solches betrachtet werden.“

„Herr, habe ich nicht auch gesagt, dass ich die Sache nicht in diese Worte und Ausdrücke gefasst habe?“

„Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Aber geehrter Sāriputta, auf welche Art hast du erkannt und gesehen, sodass du dich für erleuchtet erklären konntest: „Ich verstehe: ‚Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘“‘ Wie würdest du antworten?“

„Herr, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Geehrte, als die Quelle der Wiedergeburt versiegte, erkannte ich: „Sie ist versiegt“. Aufgrund dieses Wissens verstehe ich: „Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort.“‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Und weiter, Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Aber was ist die Quelle, der Ursprung, die Wiege und die Herkunft der Wiedergeburt?‘ Wie würdest du antworten?“

„Herr, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Fortgesetztes Dasein ist die Quelle, der Ursprung, die Wiege und die Herkunft der Wiedergeburt.‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Und weiter, Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Was ist die Quelle des fortgesetzten Daseins?‘ Wie würdest du antworten?“

„Herr, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Ergreifen ist die Quelle des fortgesetzten Daseins.‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Und weiter, Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Was ist die Quelle des Ergreifens?‘ … Und weiter, Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Was ist die Quelle des Verlangens?‘ Wie würdest du antworten?“

„Herr, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Gefühl ist die Quelle des Verlangens.‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Und weiter, Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Aber auf welche Art hast du erkannt und gesehen, sodass da kein Genießen von Gefühlen mehr war?‘ Wie würdest du antworten?“

„Herr, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Geehrte, es gibt drei Gefühle. Welche drei? Angenehmes, schmerzhaftes und neutrales Gefühl. Diese drei Gefühle sind unbeständig, und was unbeständig ist, ist Leiden. Als ich das verstand, war da kein Genießen von Gefühlen mehr.‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Gut, gut, Sāriputta! Den gleichen Punkt kann man auch auf diese Art kurz erklären: ‚Leiden umfasst alles Gefühlte.‘

Aber Sāriputta, angenommen, du würdest gefragt: ‚Aber geehrter Sāriputta, wie bist du befreit, sodass du dich für erleuchtet erklären konntest: „Ich verstehe: ‚Wiedergeburt ist beendet; das geistliche Leben ist erfüllt; was zu tun war, ist getan; es gibt nichts weiter für diesen Ort‘“?‘ Wie würdest du antworten?“

„Herr, wenn ich so gefragt würde, würde ich antworten: ‚Weil ich innerlich befreit bin und alles Ergreifen aufgelöst ist, lebe ich achtsam, sodass Befleckungen mich nicht beflecken und ich nicht auf mich selbst herabschaue.‘ So würde ich eine solche Frage beantworten.“

„Gut, gut, Sāriputta! Den gleichen Punkt kann man auch auf diese Art kurz erklären: ‚Ich bin mir nicht unsicher bezüglich der Befleckungen, von denen der Asket gesprochen hat. Ich habe keinen Zweifel, dass ich sie aufgegeben habe.‘“

Das sagte der Buddha. Nachdem er geendet hatte, erhob sich der Heilige von seinem Sitz und ging zu seiner Hütte.

Kurz nachdem der Buddha gegangen war, sprach der Ehrwürdige Sāriputta zu den Mönchen und Nonnen: „Geehrte, die erste Frage, die der Buddha mir stellte, hatte ich vorher nie erwogen, daher zögerte ich. Aber als der Buddha meiner Antwort zustimmte, dachte ich: ‚Wenn der Buddha mich über diese Sache den ganzen Tag mit verschiedenen Worten und auf unterschiedliche Art befragen würde, könnte ich den ganzen Tag mit verschiedenen Worten und auf unterschiedliche Art antworten. Wenn er mich die ganze Nacht befragen würde, Tag und Nacht, zwei Tage und zwei Nächte, drei, vier, fünf, sechs oder sieben Tage und sieben Nächte, könnte ich sieben Tage und sieben Nächte mit verschiedenen Worten und auf unterschiedliche Art antworten.‘“

Da ging Kaḷāra der Adlige zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und sagte zu ihm: „Herr, der Ehrwürdige Sāriputta hat sein Löwengebrüll gebrüllt!“ (Und er berichtete dem Buddha alles, was Sāriputta gesagt hatte.)

„Mönch, Sāriputta hat das Prinzip der Lehren klar durchdrungen, sodass er alle Fragen, die ich ihm mit verschiedenen Worten und auf unterschiedliche Art stellen würde, bis zum siebten Tag und zur siebten Nacht beantworten könnte.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).