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Alle Befleckungen

Sabbāsavasutta

So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika. Da wandte sich der Buddha an die Mönche und Nonnen: „Mönche und Nonnen!“

„Ehrwürdiger Herr“, antworteten sie. Der Buddha sagte:

„Mönche und Nonnen, ich will euch eine Darlegung über die Zügelung aller Befleckungen geben. Hört zu und gebraucht den Geist gut, ich werde sprechen.“

„Ja, Herr“, antworteten sie. Der Buddha sagte:

„Mönche und Nonnen, ich sage, dass die Befleckungen für jemanden aufgelöst werden, der erkennt und sieht, nicht für jemanden, der nicht erkennt und nicht sieht. Für jemanden, der was erkennt und sieht? Wohlüberlegten Gebrauch des Geistes und unüberlegten Gebrauch des Geistes. Wenn man den Geist unüberlegt gebraucht, entstehen Befleckungen, und die, die entstanden sind, nehmen zu. Wenn man den Geist wohlüberlegt gebraucht, entstehen keine Befleckungen, und die, die entstanden sind, werden aufgegeben.

Manche Befleckungen müssen durch Sehen aufgegeben werden, manche durch Zügelung, manche durch die Art des Gebrauchs, manche durch Ertragen, manche durch Meiden, manche durch Beseitigen und manche durch Entwickeln.

1. Befleckungen, die durch Sehen aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch Sehen aufgegeben werden müssen? Da hat ein ungebildeter gewöhnlicher Mensch die Edlen nicht gesehen und ist in der Lehre der Edlen nicht bewandert und geschult. Er hat keine wahren Menschen gesehen und ist in der Lehre der wahren Menschen nicht bewandert und geschult. Er versteht nicht, für welche Dinge er den Geist gebrauchen soll und für welche Dinge er ihn nicht gebrauchen soll. So gebraucht er den Geist für Dinge, für die er ihn nicht gebrauchen soll, und gebraucht ihn nicht für Dinge, für die er ihn gebrauchen soll.

Und für welche Dinge soll er den Geist nicht gebrauchen, tut es aber? Es sind solche Dinge, die, wenn man den Geist für sie gebraucht, die nicht entstandene Befleckung der Sinnlichkeit entstehen lassen und sie, wenn sie entstanden ist, anwachsen lassen; und ebenso die Befleckung des Wunsches nach Wiedergeburt und die Befleckung der Unwissenheit. Für diese Dinge soll er den Geist nicht gebrauchen, tut es aber.

Und für welche Dinge soll er den Geist gebrauchen, tut es aber nicht? Es sind solche Dinge, die, wenn man den Geist für sie gebraucht, die nicht entstandene Befleckung der Sinnlichkeit nicht entstehen lassen und sie, wenn sie entstanden ist, verkümmern lassen; und ebenso die Befleckung des Wunsches nach Wiedergeburt und die Befleckung der Unwissenheit. Für diese Dinge soll er den Geist gebrauchen, tut es aber nicht.

Weil er den Geist für Dinge gebraucht, für die er ihn nicht gebrauchen soll, und ihn nicht für Dinge gebraucht, für die er ihn gebrauchen soll, entstehen nicht entstandene Befleckungen und die, die entstanden sind, nehmen zu.

So gebraucht er den Geist unüberlegt: ‚War ich in der Vergangenheit? War ich nicht in der Vergangenheit? Was war ich in der Vergangenheit? Wie war ich in der Vergangenheit? Nachdem ich was gewesen bin, bin ich in der Vergangenheit was geworden?‘ ‚Werde ich in der Zukunft sein? Werde ich in der Zukunft nicht sein? Was werde ich in der Zukunft sein? Wie werde ich in der Zukunft sein? Nachdem ich was bin, werde ich was in der Zukunft werden?‘ Oder er ist unschlüssig über die Gegenwart: ‚Bin ich? Bin ich nicht? Was bin ich? Wie bin ich? Dieses Lebewesen – woher kommt es? Und wohin wird es gehen?‘

Wenn er so den Geist unüberlegt gebraucht, entsteht in ihm eine der folgenden sechs Ansichten und wird als Tatsache betrachtet: die Ansicht: ‚Mein Selbst besteht fort‘, die Ansicht: ‚Mein Selbst besteht nicht fort‘, die Ansicht: ‚Mit dem Selbst nehme ich das Selbst wahr‘, die Ansicht: ‚Mit dem Selbst nehme ich wahr, was ohne Selbst ist‘, die Ansicht: ‚Mit dem, was ohne Selbst ist, nehme ich das Selbst wahr‘, oder er hat eine solche Ansicht: ‚Dieses mein Selbst ist der, der spricht, der erkennt, der die Ergebnisse guter und schlechter Taten in den verschiedenen Bereichen erfährt. Dieses Selbst ist beständig, immerwährend, ewig und unvergänglich und wird für immer und ewig bestehen‘. Das nennt man einen Irrglauben, das Dickicht der Ansichten, die Wüste der Ansichten, das Winden der Ansichten, das Ausweichen der Ansichten, die Fessel der Ansichten. Ein ungebildeter gewöhnlicher Mensch, der von Ansichten gefesselt ist, ist nicht befreit von Wiedergeburt, von Alter und Tod, von Kummer, Klage, Schmerz, Traurigkeit und Bedrängnis. Er ist nicht befreit vom Leiden, sage ich.

Aber da hat ein gebildeter edler Schüler die Edlen gesehen und ist in der Lehre der Edlen bewandert und geschult. Er hat wahre Menschen gesehen und ist in der Lehre der wahren Menschen bewandert und geschult. Er versteht, für welche Dinge er den Geist gebrauchen soll und für welche Dinge er ihn nicht gebrauchen soll. So gebraucht er den Geist für Dinge, für die er ihn gebrauchen soll, und gebraucht ihn nicht für Dinge, für die er ihn nicht gebrauchen soll.

Und für welche Dinge soll er den Geist nicht gebrauchen und tut es auch nicht? Es sind solche Dinge, die, wenn man den Geist für sie gebraucht, die nicht entstandene Befleckung der Sinnlichkeit entstehen lassen und sie, wenn sie entstanden ist, anwachsen lassen; und ebenso die Befleckung des Wunsches nach Wiedergeburt und die Befleckung der Unwissenheit. Für diese Dinge soll er den Geist nicht gebrauchen und tut es auch nicht.

Und für welche Dinge soll er den Geist gebrauchen und tut es auch? Es sind solche Dinge, die, wenn man den Geist für sie gebraucht, die nicht entstandene Befleckung der Sinnlichkeit nicht entstehen lassen und sie, wenn sie entstanden ist, verkümmern lassen; und ebenso die Befleckung des Wunsches nach Wiedergeburt und die Befleckung der Unwissenheit. Für diese Dinge soll er den Geist gebrauchen und tut es auch.

Weil er den Geist nicht für Dinge gebraucht, für die er ihn nicht gebrauchen soll, und ihn für Dinge gebraucht, für die er ihn gebrauchen soll, entstehen nicht entstandene Befleckungen nicht, und die, die entstanden sind, werden aufgegeben.

So gebraucht er den Geist wohlüberlegt: ‚Das ist das Leiden.‘ … ‚Das ist der Ursprung des Leidens.‘ … ‚Das ist das Aufhören des Leidens.‘ … ‚Das ist die Übung, die zum Aufhören des Leidens führt.‘ Wenn er so den Geist wohlüberlegt gebraucht, legt er drei Fesseln ab: Substanzialistische Ansicht, Zweifel und falsches Verständnis von Regeln und Gelübden. Das nennt man die Befleckungen, die durch Sehen aufgegeben werden müssen.

2. Befleckungen, die durch Zügelung aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch Zügelung aufgegeben werden müssen? Da denkt ein Mönch wohlüberlegt nach und lebt mit gezügeltem Sehvermögen. Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man das Sehvermögen nicht zügelt, entstehen nicht, wenn man es zügelt. Er denkt wohlüberlegt nach und lebt mit gezügeltem Hörvermögen … mit gezügeltem Riechvermögen … mit gezügeltem Schmeckvermögen … mit gezügeltem Körperempfindungsvermögen … und mit gezügeltem Vorstellungsvermögen … Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man das Vorstellungsvermögen nicht zügelt, entstehen nicht, wenn man es zügelt.

Die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man ungezügelt lebt, entstehen nicht, wenn man gezügelt lebt. Das nennt man die Befleckungen, die durch Zügelung aufgegeben werden müssen.

3. Befleckungen, die durch die Art des Gebrauchs aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch die Art des Gebrauchs aufgegeben werden müssen? Da denkt ein Mönch wohlüberlegt nach, wenn er seine Robe benutzt: ‚Nur, um Kälte und Hitze abzuwehren, um die Berührung von Fliegen, Stechmücken, Wind, Sonne und Kriechtieren abzuwehren und um die Schamteile zu bedecken.‘

Er denkt wohlüberlegt nach, wenn er sein Almosen verzehrt: ‚Nicht zum Spaß, zum Schwelgen, als Schmuck oder Putz, sondern nur, um diesen Körper zu erhalten, um Schaden abzuwenden und das geistliche Leben zu fördern; so werde ich altes Unbehagen beenden und neues nicht entstehen lassen, und ich werde durchhalten und ohne Tadel und unbeschwert leben können.‘

Er denkt wohlüberlegt nach, wenn er eine Unterkunft benutzt: ‚Nur, um Kälte und Hitze abzuwehren, um die Berührung von Fliegen, Stechmücken, Wind, Sonne und Kriechtieren abzuwehren, um vor schlechtem Wetter zu schützen und um mich an der Klausur zu erfreuen.‘

Er denkt wohlüberlegt nach, wenn er Arznei und Krankenversorgung benutzt: ‚Nur, um die Beschwerden der Krankheit abzuwehren und die Gesundheit zu fördern.‘

Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man diese Dinge nicht so gebraucht, entstehen nicht, wenn man sie so gebraucht. Das nennt man die Befleckungen, die durch die Art des Gebrauchs aufgegeben werden müssen.

4. Befleckungen, die durch Ertragen aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch Ertragen aufgegeben werden müssen? Da denkt ein Mönch wohlüberlegt nach und erträgt Kälte, Hitze, Hunger und Durst; er erträgt die Berührung von Fliegen, Stechmücken, Wind, Sonne und Kriechtieren; er erträgt rauen und unlieben Tadel und nimmt körperliche Schmerzen hin – scharfe, heftige, brennende, lästige, unangenehme, lebensbedrohende.

Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man diese Dinge nicht erträgt, entstehen nicht, wenn man sie erträgt. Das nennt man die Befleckungen, die durch Ertragen aufgegeben werden müssen.

5. Befleckungen, die durch Meiden aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch Meiden aufgegeben werden müssen? Da denkt ein Mönch wohlüberlegt nach und meidet einen grimmigen Elefanten, ein grimmiges Pferd, einen grimmigen Ochsen oder einen grimmigen Hund. Er meidet eine Schlange, einen Baumstrunk, dorniges Gelände, eine Grube, eine Klippe, einen Sumpf oder eine Jauchegrube. Er denkt wohlüberlegt nach und vermeidet, sich auf einen unpassenden Sitz zu setzen, durch ein unpassendes Viertel zu gehen, mit schlechten Freunden zusammen zu sein – er meidet alles, was vernünftige geistliche Gefährten für eine schlechte Umgebung halten würden.

Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man diese Dinge nicht meidet, entstehen nicht, wenn man sie meidet. Das nennt man die Befleckungen, die durch Meiden aufgegeben werden müssen.

6. Befleckungen, die durch Beseitigen aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch Beseitigen aufgegeben werden müssen? Da denkt ein Mönch wohlüberlegt nach und duldet einen sinnlichen, böswilligen oder grausamen Gedanken, der aufgekommen ist, nicht. Er duldet keine schlechten, untauglichen Eigenschaften, die aufgekommen sind. Er gibt sie auf, macht sich von ihnen los, beseitigt sie und merzt sie aus.

Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man diese Dinge nicht beseitigt, entstehen nicht, wenn man sie beseitigt. Das nennt man die Befleckungen, die durch Beseitigen aufgegeben werden müssen.

7. Befleckungen, die durch Entwickeln aufgegeben werden müssen

Und was sind die Befleckungen, die durch Entwickeln aufgegeben werden müssen? Da denkt ein Mönch wohlüberlegt nach und entwickelt die Faktoren des Erwachens Achtsamkeit, Erforschung der Gesetzmäßigkeiten, Energie, Ekstase, Stille, Versenkung und Gleichmut, die sich auf Abgeschiedenheit, Schwinden und Aufhören stützen und zum Loslassen heranreifen.

Denn die bedrängenden, fiebrigen Befleckungen, die entstehen können, wenn man diese Dinge nicht entwickelt, entstehen nicht, wenn man sie entwickelt. Das nennt man die Befleckungen, die durch Entwickeln aufgegeben werden müssen.

Nehmen wir nun einen Mönch, der die Befleckungen, die durch Sehen aufgegeben werden müssen, durch Sehen aufgegeben hat. Die Befleckungen, die durch Zügelung aufgegeben werden müssen, hat er durch Zügelung aufgegeben. Die Befleckungen, die durch die Art des Gebrauchs aufgegeben werden müssen, hat er durch die Art des Gebrauchs aufgegeben. Die Befleckungen, die durch Ertragen aufgegeben werden müssen, hat er durch Ertragen aufgegeben. Die Befleckungen, die durch Meiden aufgegeben werden müssen, hat er durch Meiden aufgegeben. Die Befleckungen, die durch Beseitigen aufgegeben werden müssen, hat er durch Beseitigen aufgegeben. Die Befleckungen, die durch Entwickeln aufgegeben werden müssen, hat er durch Entwickeln aufgegeben. Einen solchen Mönch nennt man einen Mönch, der gezügelt lebt, der alle Befleckungen gezügelt hat, der das Verlangen abgeschnitten, die Fesseln abgestreift, die Einbildung richtig erfasst und dadurch dem Leiden ein Ende gemacht hat.“

Das sagte der Buddha. Zufrieden begrüßten die Mönche und Nonnen die Worte des Buddha.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).