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MN113

Ein wahrer Mensch

Sappurisasutta

So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika. Da wandte sich der Buddha an die Mönche und Nonnen: „Mönche und Nonnen!“

„Ehrwürdiger Herr“, antworteten sie. Der Buddha sagte:

„Ich will euch die Eigenschaften eines wahren Menschen und die Eigenschaften eines unwahren Menschen lehren. Hört zu und gebraucht den Geist gut, ich werde sprechen.“

„Ja, Herr“, antworteten sie. Der Buddha sagte:

„Und was ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen? Da ist ein unwahrer Mensch von einer angesehenen Familie fortgezogen. Er denkt: ‚Ich bin von einer angesehenen Familie fortgezogen, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Es ist nicht wegen der angesehenen Familie, dass sich Gedanken von Gier, Hass und Täuschung auflösen. Selbst wenn jemand nicht von einer angesehenen Familie fortgezogen ist, gebührt ihm, wenn er im Einklang mit der Lehre übt, wenn er übt, indem er diesem Vorgehen richtig folgt, und wenn er im Einklang mit der Lehre lebt, dafür Ehre und Lob.‘ Und indem er die Übung für sich behält, verherrlicht er sich wegen seiner angesehenen Familie nicht selbst oder setzt andere herab. Das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin ist da ein unwahrer Mensch von einer großen Familie fortgezogen … von einer wohlhabenden Familie fortgezogen … von einer äußerst reichen Familie fortgezogen. Er denkt: ‚Ich bin von einer äußerst reichen Familie fortgezogen, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Nicht, weil man von einer äußerst reichen Familie fortgezogen ist, lösen sich Gedanken voller Gier, Hass und Täuschung auf. Selbst wenn jemand nicht von einer äußerst reichen Familie fortgezogen ist, gebührt ihm, wenn er im Einklang mit der Lehre übt, wenn er übt, indem er diesem Vorgehen richtig folgt, und wenn er im Einklang mit der Lehre lebt, dafür Ehre und Lob.‘ Und indem er die Übung für sich behält, verherrlicht er sich wegen seiner äußerst reichen Familie nicht selbst oder setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin ist da ein unwahrer Mensch namhaft und berühmt. Er denkt: ‚Ich bin namhaft und berühmt. Diese anderen Mönche und Nonnen sind unbekannt und unbedeutend.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Nicht, weil man namhaft und berühmt ist, lösen sich Gedanken voller Gier, Hass und Täuschung auf. Selbst wenn jemand nicht namhaft und berühmt ist, gebührt ihm, wenn er im Einklang mit der Lehre übt, wenn er übt, indem er diesem Vorgehen richtig folgt, und wenn er im Einklang mit der Lehre lebt, dafür Ehre und Lob.‘ Und indem er die Übung für sich behält, verherrlicht er sich wegen seines Ruhms nicht selbst oder setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin erhält da ein unwahrer Mensch Roben, Almosen, Unterkunft sowie Arznei und Krankenversorgung. Er denkt: ‚Ich erhalte Roben, Almosen, Unterkunft sowie Arznei und Krankenversorgung, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Nicht, weil man materiellen Besitz erhält, lösen sich Gedanken voller Gier, Hass und Täuschung auf. Selbst wenn jemand keine Roben, kein Almosen, keine Unterkunft und keine Arznei und Krankenversorgung erhält, gebührt ihm, wenn er im Einklang mit der Lehre übt, wenn er übt, indem er diesem Vorgehen richtig folgt, und wenn er im Einklang mit der Lehre lebt, dafür Ehre und Lob.‘ Und indem er die Übung für sich behält, verherrlicht er sich wegen seines materiellen Besitzes nicht selbst oder setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin ist da ein unwahrer Mensch sehr gelehrt … ein Kenner des Ordensrechts … ein Dhammalehrer … einer, der in der Wildnis lebt … einer, der Fetzenroben trägt … einer, der nur Almosen isst … einer, der am Fuß eines Baumes lebt … einer, der auf einem Leichenfeld lebt … einer, der unter freiem Himmel lebt … einer, der sich nie hinlegt … einer, der da schläft, wo er seine Matte hinlegt … einer, der nur einmal am Tag isst. Er denkt: ‚Ich esse nur einmal am Tag, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Nicht, weil man nur einmal am Tag isst, lösen sich Gedanken voller Gier, Hass und Täuschung auf. Selbst wenn jemand mehr als einmal am Tag isst, gebührt ihm, wenn er im Einklang mit der Lehre übt, wenn er übt, indem er diesem Vorgehen richtig folgt, und wenn er im Einklang mit der Lehre lebt, dafür Ehre und Lob.‘ Und indem er die Übung für sich behält, verherrlicht er sich nicht selbst oder setzt andere herab, weil er nur einmal am Tag isst. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin tritt da ein unwahrer Mensch, ganz abgeschieden von den Sinnenfreuden, abgeschieden von untauglichen Eigenschaften, in die erste Vertiefung ein und verweilt darin; da gibt es aus Abgeschiedenheit geborene Ekstase und Seligkeit, während man den Geist ausrichtet und hält. Er denkt: ‚Ich habe die erste Vertiefung erreicht, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Der Buddha hat davon gesprochen, dass man selbst vom Erreichen der ersten Vertiefung nicht geprägt ist. Denn was man sich auch darunter vorstellt, sie stellt sich als etwas anderes heraus.‘ Und indem er die Tatsache, dass er davon nicht geprägt ist, für sich behält, verherrlicht er sich wegen der ersten Vertiefung nicht selbst oder setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin tritt da ein unwahrer Mensch, wenn das Ausrichten und Halten des Geistes sich beruhigt, in die zweite Vertiefung ein und verweilt darin … in die dritte Vertiefung … in die vierte Vertiefung. Er denkt: ‚Ich habe die vierte Vertiefung erreicht, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Der Buddha hat davon gesprochen, dass man selbst vom Erreichen der vierten Vertiefung nicht geprägt ist. Denn was man sich auch darunter vorstellt, sie stellt sich als etwas anderes heraus.‘ Und indem er die Tatsache, dass er davon nicht geprägt ist, für sich behält, verherrlicht er sich wegen der vierten Vertiefung nicht selbst oder setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin übersteigt da ein unwahrer Mensch jegliche Formwahrnehmung, und mit dem Vergehen der Wahrnehmung von Eindrücken, und indem er den Geist nicht auf die Wahrnehmung von Vielfalt richtet, tritt er im Wissen: ‚Raum ist unendlich‘, in die Dimension des unendlichen Raumes ein und verweilt darin. … Er tritt in die Dimension des unendlichen Bewusstseins ein und verweilt darin … in die Dimension des Nichts … in die Dimension, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat. Er denkt: ‚Ich habe die Dimension erreicht, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat, nicht wie diese anderen Mönche und Nonnen.‘ Und er verherrlicht sich deshalb selbst und setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines unwahren Menschen. Ein wahrer Mensch denkt: ‚Der Buddha hat davon gesprochen, dass man selbst vom Erreichen der Dimension, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat, nicht geprägt ist. Denn was man sich auch darunter vorstellt, sie stellt sich als etwas anderes heraus.‘ Und indem er die Tatsache, dass er davon nicht geprägt ist, für sich behält, verherrlicht er sich wegen der Dimension, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat, nicht selbst oder setzt andere herab. Auch das ist eine Eigenschaft eines wahren Menschen.

Weiterhin übersteigt da ein wahrer Mensch vollständig die Dimension, die weder Wahrnehmung noch keine Wahrnehmung hat, tritt in das Aufhören von Wahrnehmung und Gefühl ein und verweilt darin. Und wenn er mit Weisheit gesehen hat, lösen sich seine Befleckungen auf. Das ist ein Mönch, der sich nichts vorstellt, der sich nichts in Bezug auf etwas vorstellt, der sich nichts durch etwas vorstellt.“

Das sagte der Buddha. Zufrieden begrüßten die Mönche und Nonnen die Worte des Buddha.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).