THAG18.1
Das Vierzigerbuch
Cattālīsanipāta
1. Das erste Kapitel
Mahākassapa
„Du solltest nicht für Lobhudelei durch eine Gefolgschaft leben; das verdreht deinen Geist, sodass er schwer in die Versenkung kommt. Wenn du siehst, dass Beliebtheit Leiden ist, solltest du nicht zustimmen, eine Gefolgschaft zu haben.
Ein Abgeklärter sollte nicht die achtbaren Familien besuchen; das verdreht deinen Geist, sodass er schwer in die Versenkung kommt. Wenn du begierig und hungrig nach Geschmäcken bist, wirst du das Ziel, das solches Glück bringt, verfehlen.
Man weiß, es ist wirklich ein Sumpf, diese Ehrerbietung und Verehrung bei achtbaren Familien. Ehrerbietung ist ein subtiler Pfeil, schwer herauszuziehen und für den Frevler schwer aufzugeben.“
„Ich kam herab von meiner Unterkunft und betrat die Stadt zum Almosengang. Ich stand höflich daneben, als ein Aussätziger aß.
Mit seiner fauligen Hand bot er mir einen Brocken an. Als er ihn in meine Schale legte, fiel eben da sein Finger ab.
Ich saß an einer Mauer und aß dieses Häufchen Reis. Ich fühlte keinen Ekel beim Essen oder danach.
Wer aus Resten sein Essen nimmt, aus ranzigem Urin seine Arznei, wer am Fuß eines Baumes seine Unterkunft findet und aus weggeworfenen Lumpen seine Robe macht, ein Solcher ist unbeschwert in allen vier Himmelsrichtungen.“
„Wo Manche elend umkamen, als sie den Berg bestiegen, dort steigt Kassapa hinauf durch seine übersinnliche Kraft, der Situation bewusst und achtsam, ein Erbe des Buddha.
Wenn er vom Almosengang zurückkommt, steigt Kassapa den Berg hinauf und übt Vertiefung, ohne zu ergreifen; Angst und Schrecken hat er aufgegeben.
Wenn er vom Almosengang zurückkommt, steigt Kassapa den Berg hinauf und übt Vertiefung, ohne zu ergreifen, verloschen unter denen, die brennen.
Wenn er vom Almosengang zurückkommt, steigt Kassapa den Berg hinauf und übt Vertiefung, ohne zu ergreifen; seine Aufgabe erfüllt, frei von Befleckungen.“
„Übersät mit Girlanden von Moschusrosen-Bäumen – diese Landstriche sind dem Geist gefällig, so entzückend; sie hallen wider vom Trompeten der Elefanten: Diese Felszacken entzücken mich!
Sie glänzen blauschwarz wie Gewitterwolken, ihre Wasser fließen kühl in klaren Strömen, mit roten Regenkäfern sind sie bedeckt: Diese Felszacken entzücken mich!
Wie die Spitze einer blauschwarzen Gewitterwolke oder ein edles Giebelhaus, entzückend; sie hallen wider vom Trompeten der Elefanten: Diese Felszacken entzücken mich!
Der Regen fällt auf das Flachland herab in den Bergen, die Seher besuchen. Sie hallen wider von den Schreien der Pfauen: Diese Felszacken entzücken mich!
Für mich, der ich Vertiefung liebe, ist es genug, entschlossen zu bleiben. Für mich, einen entschlossenen Mönch, der auf sein Wohl bedacht ist, ist das genug.
Für mich, einen entschlossenen Mönch, der die Unbeschwertheit liebt, ist das genug. Für mich, den Entschlossenen und Unberührten, der die Meditation liebt, ist das genug.
Bedeckt mit Flachsblumen wie das Himmelsgewölbe mit Wolken, voll mit Schwärmen der verschiedensten Vögel: Diese Felszacken entzücken mich!
Ohne Gedränge von Hausbesitzern, besucht von Herden von Wild, voll mit Schwärmen der verschiedensten Vögel: Diese Felszacken entzücken mich!
Das Wasser ist klar und die Felsen so breit, Affen und Hirsche ringsumher; mit Girlanden von taufeuchtem Moos geschmückt: Diese Felszacken entzücken mich!“
„Selbst die Musik eines fünfköpfigen Orchesters kann nicht solchen Genuss bringen, wie wenn man mit geeintem Geist richtig den Dhamma klar sieht.“
„Lass dich nicht in viel Arbeit verwickeln, meide Menschen und versuche nicht, Dinge zu erwerben. Wenn du begierig und hungrig nach Geschmäcken bist, wirst du das Ziel, das solches Glück bringt, verfehlen.
Lass dich nicht in viel Arbeit verwickeln, vermeide, was nicht zum Ziel führt. Der Körper nutzt sich ab und ermüdet, und unter Schmerzen findest du keine Sammlung.“
„Vom bloßen Aufsagen von Worten wirst du dich selbst nicht sehen, wenn du mit steifem Hals einhergehst und denkst: ‚Ich bin besser!‘
Der Tor ist nicht besser, aber er denkt, er sei es. Die Weisen preisen keine Wichtigtuer.
Wer von den Arten der Einbildung – ‚ich bin besser‘, ‚ich bin nicht besser‘, ‚ich bin schlechter‘ oder ‚ich bin gleich‘ – nicht erfasst wird,
wer solches Verständnis hat, dieser Unberührte, in der Tugend stetig und der Sammlung des Herzens geweiht: Dieser ist es, den die Weisen preisen.“
„Wer keine Achtung vor seinen geistlichen Gefährten hat, ist so weit von der wahren Lehre entfernt wie der Himmel von der Erde.
Die, bei denen Gewissen und Besonnenheit stets richtig verankert sind, gedeihen im geistlichen Leben; für sie sind künftige Leben zu Ende.
Wenn ein Mönch hochmütig und launisch ist und Lumpen vom Abfall trägt, bringt ihn das nicht zum Leuchten: Er ist wie ein Affe im Löwenpelz.
Wer aber nicht rastlos oder launisch ist, wach, mit gezügelten Sinnen, und Lumpen vom Abfall trägt, der leuchtet wie ein Löwe in einer Berghöhle.“
„Diese zahlreichen Götter, mächtig und ruhmreich, alle zehntausend, gehören zu Brahmās Gefolge.
Sie stehen da mit zusammengelegten Händen und ehren Sāriputta, den General des Dhamma, den Helden, den Großen, der gesammelt meditiert:
‚Ehre sei dir, du Vollblüter! Ehre sei dir, Höchster unter den Menschen! Die Grundlage deiner Vertiefung verstehen wir nicht.
Das tiefgründige Hoheitsgebiet der Buddhas ist wahrhaft erstaunlich. Wir verstehen es nicht, obwohl wir uns hier versammelt haben, um Haare zu spalten.‘
Als er die Götterschar sah, die Sāriputta ehrte, der wahrhaft der Verehrung würdig ist, da lächelte Kappina.“
„Soweit sich die Reichweite des Buddha erstreckt, bin ich herausragend bei den Entbehrungen. Ich habe keinen Ebenbürtigen außer dem großen Abgeklärten selbst.
Dem Lehrer habe ich gedient und die Anleitung des Buddha erfüllt. Die schwere Bürde ist abgelegt, künftige Leben wird es jetzt nicht mehr geben.“
„Wie eine Lotusblume, an der das Wasser nicht haften wird, ist Gotama der Unermessliche unbefleckt durch Roben, Unterkunft oder Nahrung. Er ist zur Entsagung geneigt und ist den drei Daseinszuständen entronnen.
Der Hals des großen Abgeklärten ist die Achtsamkeitsmeditation, Vertrauen sind seine Hände, und Weisheit ist sein Kopf. Groß ist sein Erkennen; so wandert er stets, verloschen.“
Das Vierzigerbuch ist zu Ende.
Chapter One
Mahākassapa
“You shouldn’t live for the adulation of a following; it turns your mind, making it hard to get immersion. Seeing that popularity is suffering, you shouldn’t consent to a following.
A sage should not visit respectable families; it turns your mind, making it hard to get immersion. If you’re eager and greedy for flavors, you’ll miss the goal that brings such happiness.
They know it really is a bog, this homage and veneration in respectable families. Honor is a subtle dart, hard to extract, and hard for a reprobate to give up.”
“I came down from my lodging and entered the city for alms. I courteously stood by while a leper ate.
With his putrid hand he offered me a morsel. Putting the morsel in my bowl, his finger dropped off right there.
Sitting by a wall, I ate that lump of rice. I did not feel any disgust while eating or afterwards.
Anyone who makes use of leftovers for food, rancid urine as medicine, the root of a tree as lodging, and cast-off rags as robes, is at ease in any quarter.”
“Where some have fallen to ruin while climbing the mountain, there Kassapa ascends; an heir of the Buddha, aware and mindful, owing to his psychic powers.
Returning from almsround, Kassapa ascends the mountain, and practices absorption without grasping, with fear and dread given up.
Returning from almsround, Kassapa ascends the mountain, and practices absorption without grasping, quenched amongst those who burn.
Returning from almsround, Kassapa ascends the mountain, and practices absorption without grasping, his task completed, free of defilements.”
“Strewn with garlands of the musk-rose tree, these regions are so delightful, so lovely, echoing with the trumpeting of elephants: these rocky crags delight me!
Glistening, they look like blue stormclouds, with waters cool and streams so clear, and covered all in ladybugs: these rocky crags delight me!
Like the peak of a blue stormcloud, or like a fine bungalow, lovely, echoing with the trumpeting of elephants: these rocky crags delight me!
The rain comes down on the lovely flats, in the mountains frequented by seers. Echoing with the cries of peacocks, these rocky crags delight me!
It’s enough for me, who loves absorption, to remain resolute. It’s enough for me, a resolute monk who wants what’s best.
It’s enough for me, a resolute monk who loves comfort. It’s enough for me, resolute and unaffected, loving meditation.
Covered with flowers of flax, like the welkin covered with stormclouds, full of flocks of many different birds, these rocky crags delight me!
Empty of householders, frequented by herds of deer, full of flocks of many different birds, these rocky crags delight me!
The water’s clear and the rocks are broad, monkeys and deer are all around; festooned with dewy moss, these rocky crags delight me!”
“Even the music of a five-piece band can never give such pleasure as when, with unified mind, you rightly discern the Dhamma.”
“Don’t get involved in lots of work, avoid people, and don’t try to acquire things. If you’re eager and greedy for flavors, you’ll miss the goal that brings such happiness.
Don’t get involved in lots of work, avoid what doesn’t lead to the goal. The body gets worn out and fatigued, and when you ache, you won’t find serenity.”
“You won’t see yourself by merely reciting words, wandering stiff-necked and thinking, ‘I’m better than them.’
The fool is no better, but they think they are. The wise don’t praise pompous people.
Whoever does not waver due to the discriminations— ‘I am better’, ‘I’m not better’, ‘I am worse’, or ‘I am the same’—
with such understanding, unaffected, steady in ethics, and devoted to serenity of mind: that is who the wise praise.”
“Whoever has no respect for their spiritual companions is as far from the true teaching as the earth is from the sky.
Those whose conscience and prudence are always rightly established, thrive in the spiritual life; for them, there are no future lives.
When a mendicant who is haughty and fickle wears rags from the rubbish-heap, that doesn’t make them shine: they’re like a monkey in a lion skin.
But if they not restless or fickle, alert, with senses restrained, then, wearing rags from the rubbish-heap, they shine like a lion in a mountain cave.”
“These many gods powerful and glorious, all 10,000 of them, belong to the host of the Divinity.
They stand with joined palms honoring Sāriputta, the general of the Dhamma, the hero, the serene great meditator:
‘Homage to you, O thoroughbred! Homage to you, supreme among men! We don’t understand the basis of your absorption.
The profound domain of the Buddhas is truly amazing. We don’t understand, though we’ve gathered here to split hairs.’
When he saw the host of gods paying homage to Sāriputta— who is truly worthy of homage— Kappina smiled.”
“As far as the range of the Buddha extends, I am distinguished in austerities. I have no equal, apart from the great sage himself.
I’ve served the teacher and fulfilled the Buddha’s instructions. The heavy burden is laid down, now there’ll be no more future lives.”
“Like a lotus flower to which water will not stick, Gotama the immeasurable is unstained by robes, lodgings, or food. He inclines to renunciation, and has escaped the three states of existence.
The great sage’s neck is mindfulness meditation; faith is his hands, and wisdom his head. Having great knowledge, he always wanders, quenched.”
The Book of the Forties is finished.
Paṭhamavagga
Mahākassapattheragāthā
“Na gaṇena purakkhato care, Vimano hoti samādhi dullabho; Nānājanasaṅgaho dukho, Iti disvāna gaṇaṁ na rocaye.
Na kulāni upabbaje muni, Vimano hoti samādhi dullabho; So ussukko rasānugiddho, Atthaṁ riñcati yo sukhāvaho.
Paṅkoti hi naṁ avedayuṁ, Yāyaṁ vandanapūjanā kulesu; Sukhumaṁ sallaṁ durubbahaṁ, Sakkāro kāpurisena dujjaho.
Senāsanamhā oruyha, nagaraṁ piṇḍāya pāvisiṁ; Bhuñjantaṁ purisaṁ kuṭṭhiṁ, sakkaccaṁ taṁ upaṭṭhahiṁ.
So me pakkena hatthena, ālopaṁ upanāmayi; Ālopaṁ pakkhipantassa, aṅguli cettha chijjatha.
Kuṭṭamūlañca nissāya, ālopaṁ taṁ abhuñjisaṁ; Bhuñjamāne vā bhutte vā, jegucchaṁ me na vijjati.
Uttiṭṭhapiṇḍo āhāro, pūtimuttañca osadhaṁ; Senāsanaṁ rukkhamūlaṁ, paṁsukūlañca cīvaraṁ; Yassete abhisambhutvā, sa ve cātuddiso naro.
Yattha eke vihaññanti, āruhantā siluccayaṁ; Tassa buddhassa dāyādo, sampajāno patissato; Iddhibalenupatthaddho, kassapo abhirūhati.
Piṇḍapātapaṭikkanto, selamāruyha kassapo; Jhāyati anupādāno, pahīnabhayabheravo.
Piṇḍapātapaṭikkanto, selamāruyha kassapo; Jhāyati anupādāno, ḍayhamānesu nibbuto.
Piṇḍapātapaṭikkanto, selamāruyha kassapo; Jhāyati anupādāno, katakicco anāsavo.
Karerimālāvitatā, bhūmibhāgā manoramā; Kuñjarābhirudā rammā, te selā ramayanti maṁ.
Nīlabbhavaṇṇā rucirā, vārisītā sucindharā; Indagopakasañchannā, te selā ramayanti maṁ.
Nīlabbhakūṭasadisā, kūṭāgāravarūpamā; Vāraṇābhirudā rammā, te selā ramayanti maṁ.
Abhivuṭṭhā rammatalā, nagā isibhi sevitā; Abbhunnaditā sikhīhi, te selā ramayanti maṁ.
Alaṁ jhāyitukāmassa, pahitattassa me sato; Alaṁ me atthakāmassa, pahitattassa bhikkhuno.
Alaṁ me phāsukāmassa, pahitattassa bhikkhuno; Alaṁ me yogakāmassa, pahitattassa tādino.
Umāpupphena samānā, gaganāvabbhachāditā; Nānādijagaṇākiṇṇā, te selā ramayanti maṁ.
Anākiṇṇā gahaṭṭhehi, migasaṅghanisevitā; Nānādijagaṇākiṇṇā, te selā ramayanti maṁ.
Acchodikā puthusilā, gonaṅgulamigāyutā; Ambusevālasañchannā, te selā ramayanti maṁ.
Na pañcaṅgikena turiyena, Rati me hoti tādisī; Yathā ekaggacittassa, Sammā dhammaṁ vipassato.
Kammaṁ bahukaṁ na kāraye, Parivajjeyya janaṁ na uyyame; Ussukko so rasānugiddho, Atthaṁ riñcati yo sukhāvaho.
Kammaṁ bahukaṁ na kāraye, Parivajjeyya anattaneyyametaṁ; Kicchati kāyo kilamati, Dukkhito so samathaṁ na vindati.
Oṭṭhappahatamattena, attānampi na passati; Patthaddhagīvo carati, ahaṁ seyyoti maññati.
Aseyyo seyyasamānaṁ, bālo maññati attānaṁ; Na taṁ viññū pasaṁsanti, patthaddhamānasaṁ naraṁ.
Yo ca seyyohamasmīti, nāhaṁ seyyoti vā pana; Hīno taṁsadiso vāti, vidhāsu na vikampati.
Paññavantaṁ tathā tādiṁ, sīlesu susamāhitaṁ; Cetosamathamanuttaṁ, tañce viññū pasaṁsare.
Yassa sabrahmacārīsu, gāravo nūpalabbhati; Ārakā hoti saddhammā, nabhato puthavī yathā.
Yesañca hiriottappaṁ, sadā sammā upaṭṭhitaṁ; Virūḷhabrahmacariyā te, tesaṁ khīṇā punabbhavā.
Uddhato capalo bhikkhu, paṁsukūlena pāruto; Kapīva sīhacammena, na so tenupasobhati.
Anuddhato acapalo, nipako saṁvutindriyo; Sobhati paṁsukūlena, sīhova girigabbhare.
Ete sambahulā devā, iddhimanto yasassino; Dasadevasahassāni, sabbe te brahmakāyikā.
Dhammasenāpatiṁ vīraṁ, mahājhāyiṁ samāhitaṁ; Sāriputtaṁ namassantā, tiṭṭhanti pañjalīkatā.
‘Namo te purisājañña, namo te purisuttama; Yassa te nābhijānāma, yampi nissāya jhāyati.
Accheraṁ vata buddhānaṁ, gambhīro gocaro sako; Ye mayaṁ nābhijānāma, vālavedhisamāgatā’.
Taṁ tathā devakāyehi, pūjitaṁ pūjanārahaṁ; Sāriputtaṁ tadā disvā, kappinassa sitaṁ ahu.
Yāvatā buddhakhettamhi, ṭhapayitvā mahāmuniṁ; Dhutaguṇe visiṭṭhohaṁ, sadiso me na vijjati.
Pariciṇṇo mayā satthā, kataṁ buddhassa sāsanaṁ; Ohito garuko bhāro, natthi dāni punabbhavo.
Na cīvare na sayane, bhojane nupalimpati; Gotamo anappameyyo, muḷālapupphaṁ vimalaṁva; Ambunā nekkhammaninno, tibhavābhinissaṭo.
Satipaṭṭhānagīvo so, saddhāhattho mahāmuni; Paññāsīso mahāñāṇī, sadā carati nibbuto”ti.
Cattālīsanipāto niṭṭhito.