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THAG16.9

Das Zwanzigerbuch

Vīsatinipāta

1. Das erste Kapitel

Anuruddha

Mutter und Vater ließ er zurück wie auch Schwestern, Verwandte und Brüder; die fünf Sinnesreize hat er aufgegeben – Anuruddha übt Vertiefung.

Von Gesang und Tanz umgeben, von Becken und Gongschlag geweckt, so fand er keine Läuterung, als er sich in Māras Hoheitsgebiet vergnügte.

Doch er ist über all das hinausgegangen und erfreut sich an der Lehre des Buddha. Die ganze Flut hat er überquert – Anuruddha übt Vertiefung.

Bilder, Töne, Gerüche, Geschmäcke und Berührungen, dem Geist gefällig: Auch diese hat er überquert – Anuruddha übt Vertiefung.

Er kommt vom Almosengang allein ohne Gefährten zurück, sucht Stofffetzen vom Abfall – Anuruddha ist ohne Befleckungen.

Der Abgeklärte, bedacht, wählte Fetzen aus dem Abfall, er nahm sie, wusch und färbte sie und trug sie – Anuruddha ist ohne Befleckungen.

Die Grundsätze von jemandem, der anspruchsvoll und nicht zufrieden ist, der leutselig und eingebildet ist, sind schlecht und verunreinigen.

Doch jemand, der achtsam ist, genügsam, zufrieden und unbeschwert, der sich froh an Abgeschiedenheit erfreut, stets beständig und energisch,

seine Grundsätze sind tauglich und führen zum Erwachen; er ist ohne Befleckungen, so sprach der große Seher.

„Er erkannte meine Gedanken, der unübertreffliche Lehrer in der Welt, und kam zu mir in einem geistgeschaffenen Körper mithilfe seiner übersinnlichen Kraft.

Er lehrte mich mehr als das, woran ich gedacht hatte. Der Buddha, der das Nicht-Wuchern liebt, lehrte mich das Nicht-Wuchern.

Als ich diese Lehre verstand, befolgte ich freudig sein Geheiß. Das dreifache Wissen habe ich verwirklicht und die Anleitung des Buddha erfüllt.

Fünfundfünfzig Jahre lang habe ich mich nicht zum Schlafen hingelegt. Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen, seit ich die Benommenheit ausrottete.“

„Da war kein Atmen mehr bei dem Unberührten von beständigem Herzen. Unbewegt, dem Frieden geweiht, ist der Klaräugige vollkommen verloschen.

Schmerzhafte Gefühle nahm er hin, ohne zurückzuschrecken. Die Befreiung seines Herzens war wie das Erlöschen einer Lampe.“

„Diese Berührungen und die andern vier sind jetzt das Letzte, das der Abgeklärte erfährt; andere Erscheinungen wird es nicht mehr geben, da der Buddha vollkommen verloschen ist.

Du Spinnerin des Netzes, es gibt für mich keinen Aufenthalt mehr bei den Scharen der Götter. Das Umherwandern durch Geburten ist beendet, künftige Leben wird es jetzt nicht mehr geben.“

„Dieser Mönch, der die Galaxie mit Brahmās Alter in einer Stunde erkennt, dieser Meister übersinnlicher Fähigkeiten sieht die Götter zur Zeit ihres Abscheidens und Wiedergeborenwerdens.“

„Früher war ich Annabhāra, arm, und schleppte das Futter. Ich übte als Asket, als der ruhmreiche Upariṭṭha.

Dann wurde ich im Sakyer-Stamm wiedergeboren, wo ich als Anuruddha bekannt war, von Gesang und Tanz umgeben, von Becken und Gongschlag geweckt.

Dann sah ich den Buddha den Lehrer, der allseits furchtlos ist. Ich füllte mein Herz mit Zuversicht zu ihm und zog fort ins hauslose Leben.

Ich kenne meine früheren Leben, die Orte, an denen ich gelebt hatte. Ich wurde als Sakka geboren und blieb bei den Göttern der Dreiunddreißig.

Siebenmal war ich ein König der Menschen und beherrschte ein Königreich, siegreich in den vier Himmelsrichtungen, Herr über das Land des Rosenapfelbaums. Ohne Stock oder Schwert regierte ich nach Prinzip.

Sieben von hier und sieben von dort, zusammen vierzehn Mal Umherwandern: Ich werde diese Leben kennen; zu der Zeit lebte ich im Reich der Götter.

In der Versenkung mit fünf Faktoren habe ich vollkommene Stille erlangt, friedvoll und gesammelt; meine Hellsichtigkeit ist geläutert.

Stetig in der Vertiefung mit fünf Faktoren kenne ich Tod und Wiedergeburt der Wesen, ihr Kommen und Gehen, ihr Leben in diesem und jenem Zustand.

Ich habe dem Lehrer gedient und die Anleitung des Buddha erfüllt. Die schwere Bürde ist abgelegt, der Zug zum Dasein ist ausgerottet.

Im Vajjierdorf Veḷuva wird mein Leben zu Ende gehen. Unter einem Bambusdickicht werde ich, unbefleckt, vollkommen erlöschen.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).