THAG16.4
Das Zwanzigerbuch
Vīsatinipāta
1. Das erste Kapitel
Raṭṭhapāla
„Sieh die herausgeputzte Puppe, ein Körper, aus Wunden zusammengesetzt, krank, lässt dir keine Ruhe, und nichts an ihm hat Bestand.
Sieh die herausgeputzte Gestalt mit Edelsteinen und Ohrringen; nichts als Knochen, in Haut gewickelt, durch die Kleider hübsch gemacht.
Rot gefärbte Füße und ein gepudertes Gesicht reichen vielleicht, um einen Toren zu verlocken, aber nicht einen, der zum anderen Ufer will.
Achtfach geflochtene Haare und Lidschatten reichen vielleicht, um einen Toren zu verlocken, aber nicht einen, der zum anderen Ufer will.
Ein verfaulender Körper, geschmückt wie ein frisch bemaltes Kosmetikkästchen, reicht vielleicht, um einen Toren zu verlocken, aber nicht einen, der zum anderen Ufer will.
Der Jäger legte die Schlinge aus, doch der Hirsch sprang nicht in die Falle. Ich habe den Köder gegessen, und nun gehe ich, lasse den Fallensteller jammernd zurück.
Die Schlinge des Jägers ist zerrissen, doch der Hirsch sprang nicht in die Falle. Ich habe den Köder gegessen, und nun gehe ich, lasse den Rotwildjäger bekümmert zurück.“
„Ich sehe in der Welt reiche Leute, die aufgrund von Täuschung nicht geben, was sie erworben haben. Gierig horten sie ihren Reichtum, verlangen nach immer mehr Sinnenfreuden.
Ein König, der die Welt mit Gewalt erobert hätte und das Land von einem Meer zum anderen beherrschte, unzufrieden mit dieser Küste, würde noch nach der anderen verlangen.
Nicht nur der König, auch andere erreichen den Tod, ohne das Verlangen los zu sein. Sie verlassen den Körper und wollen noch immer, denn in dieser Welt machen Sinnenfreuden nie satt.
Verwandte jammern mit zerzaustem Kopf: ‚Oh! Ach! Er ist nicht unsterblich!‘ Sie tragen den Körper hinaus, in eine Hülle gewickelt, errichten einen Scheiterhaufen und verbrennen ihn da.
Während er brennt, wird er von Pflöcken durchbohrt, in nur ein einziges Tuch gewickelt, der Reichtum vergangen. Verwandte, Freunde und Gefährten können nicht helfen, wenn man stirbt.
Erben nehmen den Reichtum, und die Wesen wandern weiter gemäß ihrer Taten. Reichtum folgt einem nicht in den Tod, auch nicht Kinder, Frau, Vermögen und Königreich.
Langes Leben kann man nicht kaufen, und Reichtum kann das Alter nicht bannen; denn die Bedächtigen sagen, das Leben ist kurz, es ist zeitlich und muss zugrunde gehen.
Reiche und Arme fühlen die Berührung, Toren und Bedächtige fühlen sie auch. Der Tor liegt von seiner eigenen Torheit niedergestreckt, der Bedächtige zittert nicht bei der Berührung.
Daher ist Weisheit viel besser als Reichtum, denn durch Weisheit erreicht man in diesem Leben den Gipfelpunkt. Doch wenn man aufgrund von Täuschung den Gipfelpunkt nicht erreicht, wird man Leben um Leben Schlechtes tun.
Wer in einen Schoß und in jene Welt eintritt, wird von Leben zu Leben umherwandern. Wenn jemand mit wenig Weisheit diesem vertraut, tritt auch er in einen Schoß und in jene Welt ein.
Wie ein Räuber, den man im Fenster erwischt, für seine schlechten Taten bestraft wird, so werden Menschen, wenn sie verscheiden, in jener Welt für ihre schlechten Taten bestraft.
Sinnenfreuden sind vielfältig, süß, dem Geist gefällig, sie tarnen sich und erregen den Geist. Ich sah die Gefahr in Sinnesreizen, da zog ich fort, o König.
Wie Obst vom Baum fällt, so fallen die Kinder Manus, jung und alt, wenn der Körper auseinanderbricht. Auch als ich das sah, zog ich fort, o König: Es ist eine sichere Wette, dass das Asketenleben besser ist.“
„Ich zog aus Vertrauen fort und schloss mich dem Lehrsystem des Siegers an. Mein Fortziehen war nicht vergeblich; ich genieße mein Essen frei von Schulden.
Ich sah Sinnenfreuden als etwas Brennendes, Gold als eine scharfe Klinge, die Empfängnis in einem Schoß als Leiden und die Höllen als sehr furchteinflößend.
Da ich diese Gefahr erkannte, wurde ich von einem Gefühl der Dringlichkeit ergriffen. Ich wurde durchbohrt, doch dann fand ich Frieden, ich erlangte die Auflösung der Befleckungen.
Ich habe dem Lehrer gedient und die Anleitung des Buddha erfüllt. Die schwere Bürde ist abgelegt, der Zug zum Dasein ist ausgerottet.
Ich habe das Ziel erreicht, für das ich aus dem Haus fortzog ins hauslose Leben: die Auflösung aller Fesseln.“
Chapter One
Raṭṭhapāla
“See this fancy puppet, a body built of sores, diseased, obsessed over, in which nothing lasts at all.
See this fancy figure, with its gems and earrings; it is bones encased in skin, made pretty by its clothes.
Rouged feet and powdered face may be enough to beguile a fool, but not a seeker of the far shore.
Hair in eight braids and eyeshadow may be enough to beguile a fool, but not a seeker of the far shore.
A rotting body all adorned like a freshly painted makeup box may be enough to beguile a fool, but not a seeker of the far shore.
The hunter laid his snare, but the deer didn’t spring the trap. I’ve eaten the bait and now I go, leaving the trapper to lament.
The hunter’s snare is broken, but the deer didn’t spring the trap. I’ve eaten the bait and now I go, leaving the deer-hunter to grieve.”
“I see rich people in the world who, because of delusion, <j>give not the money they’ve earned. Greedily, they hoard their riches, yearning for ever more sensual pleasures.
A king who conquered the earth by force, ruling the land from sea to sea, unsatisfied with the near shore of the ocean, would still yearn for the further shore.
Not just the king, but others too, reach death not rid of craving. They leave the body still wanting, for in this world sensual pleasures never satisfy.
Relatives lament, their hair disheveled, saying ‘Ah! Alas! They’re not immortal!’ They take out the body wrapped in a shroud, heap up a pyre, and burn it there.
It’s poked with stakes while being burnt, in just a single cloth, all wealth gone. Relatives, friends, and companions can’t help you when you’re dying.
Heirs take your riches, while beings fare on according to their deeds. Riches don’t follow you when you die; nor do children, wife, wealth, nor kingdom.
Longevity isn’t gained by riches, nor does wealth banish old age; for the attentive say this life is short, it’s perishable and not eternal.
The rich and the poor feel its touch; the fool and the attentive one feel it too. But the fool lies stricken by their own folly, while the attentive don’t tremble at the touch.
Therefore wisdom’s much better than wealth, since by wisdom <j>you reach consummation in this life. But if because of delusion <j>you don’t reach consummation, you’ll do evil deeds in life after life.
One who enters a womb and the world beyond, will transmigrate from one life to the next. While someone of little wisdom, <j>placing faith in them, also enters a womb and the world beyond.
As a bandit caught in a window is punished for his own bad deeds; so after departing, in the world beyond, people are punished for their own bad deeds.
Sensual pleasures are diverse, sweet, delightful, appearing in disguise they disturb the mind. Seeing danger in sensual stimulations, I went forth, O King.
As fruit falls from a tree, so the sons of Manu fall, young and old, when the body breaks up. Seeing this, too, I went forth, O King; it’s a sure bet that the ascetic life is better.”
“I went forth out of faith joining the victor’s dispensation. My going forth wasn’t wasted; I enjoy my food free of debt.
I saw sensual pleasures as burning, gold as a cutting blade, conception in a womb as suffering, and the hells as very fearful.
Knowing this danger, I was struck with a sense of urgency. I was stabbed, but then I found peace, attaining the end of defilements.
I’ve served the teacher and fulfilled the Buddha’s instructions. The heavy burden is laid down, the leash to existence is eradicated.
I’ve reached the goal for the sake of which I went forth from the lay life to homelessness— the ending of all fetters.”
Paṭhamavagga
Raṭṭhapālattheragāthā
“Passa cittakataṁ bimbaṁ, arukāyaṁ samussitaṁ; Āturaṁ bahusaṅkappaṁ, yassa natthi dhuvaṁ ṭhiti.
Passa cittakataṁ rūpaṁ, maṇinā kuṇḍalena ca; Aṭṭhiṁ tacena onaddhaṁ, saha vatthehi sobhati.
Alattakakatā pādā, mukhaṁ cuṇṇakamakkhitaṁ; Alaṁ bālassa mohāya, no ca pāragavesino.
Aṭṭhapadakatā kesā, nettā añjanamakkhitā; Alaṁ bālassa mohāya, no ca pāragavesino.
Añjanīva navā cittā, pūtikāyo alaṅkato; Alaṁ bālassa mohāya, no ca pāragavesino.
Odahi migavo pāsaṁ, nāsadā vāguraṁ migo; Bhutvā nivāpaṁ gacchāma, kandante migabandhake.
Chinno pāso migavassa, nāsadā vāguraṁ migo; Bhutvā nivāpaṁ gacchāma, socante migaluddake.
Passāmi loke sadhane manusse, Laddhāna vittaṁ na dadanti mohā; Luddhā dhanaṁ sannicayaṁ karonti, Bhiyyova kāme abhipatthayanti.
Rājā pasayhappathaviṁ vijetvā, Sasāgarantaṁ mahimāvasanto; Oraṁ samuddassa atittarūpo, Pāraṁ samuddassapi patthayetha.
Rājā ca aññe ca bahū manussā, Avītataṇhā maraṇaṁ upenti; Ūnāva hutvāna jahanti dehaṁ, Kāmehi lokamhi na hatthi titti.
Kandanti naṁ ñātī pakiriya kese, Aho vatā no amarāti cāhu; Vatthena naṁ pārutaṁ nīharitvā, Citaṁ samodhāya tato ḍahanti.
So ḍayhati sūlehi tujjamāno, Ekena vatthena pahāya bhoge; Na mīyamānassa bhavanti tāṇā, Ñātī ca mittā atha vā sahāyā.
Dāyādakā tassa dhanaṁ haranti, Satto pana gacchati yena kammaṁ; Na mīyamānaṁ dhanamanveti kiñci, Puttā ca dārā ca dhanañca raṭṭhaṁ.
Na dīghamāyuṁ labhate dhanena, Na cāpi vittena jaraṁ vihanti; Appaṁ hidaṁ jīvitamāhu dhīrā, Asassataṁ vippariṇāmadhammaṁ.
Aḍḍhā daliddā ca phusanti phassaṁ, Bālo ca dhīro ca tatheva phuṭṭho; Bālo hi bālyā vadhitova seti, Dhīro ca no vedhati phassaphuṭṭho.
Tasmā hi paññāva dhanena seyyā, Yāya vosānamidhādhigacchati; Abyositattā hi bhavābhavesu, Pāpāni kammāni karoti mohā.
Upeti gabbhañca parañca lokaṁ, Saṁsāramāpajja paramparāya; Tassappapañño abhisaddahanto, Upeti gabbhañca parañca lokaṁ.
Coro yathā sandhimukhe gahīto, Sakammunā haññati pāpadhammo; Evaṁ pajā pecca paramhi loke, Sakammunā haññati pāpadhammo.
Kāmā hi citrā madhurā manoramā, Virūparūpena mathenti cittaṁ; Ādīnavaṁ kāmaguṇesu disvā, Tasmā ahaṁ pabbajitomhi rāja.
Dumapphalānīva patanti māṇavā, Daharā ca vuḍḍhā ca sarīrabhedā; Etampi disvā pabbajitomhi rāja, Apaṇṇakaṁ sāmaññameva seyyo.
Saddhāyāhaṁ pabbajito, upeto jinasāsane; Avañjhā mayhaṁ pabbajjā, anaṇo bhuñjāmi bhojanaṁ.
Kāme ādittato disvā, Jātarūpāni satthato; Gabbhavokkantito dukkhaṁ, Nirayesu mahabbhayaṁ.
Etamādīnavaṁ ñatvā, saṁvegaṁ alabhiṁ tadā; Sohaṁ viddho tadā santo, sampatto āsavakkhayaṁ.
Pariciṇṇo mayā satthā, kataṁ buddhassa sāsanaṁ; Ohito garuko bhāro, bhavanetti samūhatā.
Yassatthāya pabbajito, agārasmānagāriyaṁ; So me attho anuppatto, sabbasaṁyojanakkhayo”ti.