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SNP3.8

Der Pfeil

Sallasutta

Unvorhersehbar und unbekannt ist die Lebensdauer der Sterblichen hier – elend und kurz und mit Schmerz verbunden.

Es gibt kein Mittel, dass die, die geboren sind, nicht sterben werden. Auf das Altwerden folgt der Tod: so ist die Natur lebender Geschöpfe.

Wie eine reife Frucht stets in Gefahr ist, herabzufallen, so sind Sterbliche, einmal geboren, stets in Gefahr, zu sterben.

Wie Tonkrüge, vom Töpfer gefertigt, alle als Scherben enden, so ist das Leben der Sterblichen.

Jung und Alt, Törichte und Kluge – alle wandeln im Bann des Todes; alle müssen schließlich sterben.

Wenn die, die vom Tod überwältigt werden, von dieser Welt nach jener gehen, kann ein Vater seinen Sohn nicht schützen noch Verwandte ihre Angehörigen.

Sieh’, wie Sterbliche unter den Augen der heftig klagenden Verwandten einer nach dem andern weggeführt werden wie eine Kuh zum Schlachten.

So ist die Welt von Alter und Tod geschlagen. Darum grämen sich die Bedächtigen nicht, denn sie verstehen den Gang der Welt.

Ihn, dessen Pfad du nicht kennst – woher er kam, wohin er ging –, beklagst du vergebens und siehst beide Enden nicht.

Wenn ein verstörter Mensch, der wehklagt und sich selbst schadet, daraus etwas Gutes gewinnen könnte, würden die, die klar sehen, das Gleiche tun.

Denn nicht durch Weinen und Klagen findet man Frieden im Herzen. Nur das Leiden wird vermehrt und plagt den Körper.

Du wirst dünn und fahl und fügst dir selbst Schaden zu. Den Verstorbenen hilft es nicht, dein Klagen ist vergebens.

Wenn ein Geborener den Kummer nicht aufgibt, stürzt er umso mehr in Leiden. Wenn du die beklagst, deren Zeit gekommen ist, gerätst du in den Bann des Kummers.

Sieh’, auch andere reisen ab, ziehen weiter entsprechend ihrer Taten; in den Bann des Todes geraten, zappeln die Wesen, solange sie noch hier sind.

Denn was man sich auch darunter vorstellt, es stellt sich als etwas anderes heraus. So ist das Geschiedenwerden: Sieh’ den Gang der Welt!

Selbst wenn ein Mensch hundert Jahre oder länger lebt, wird er vom Familienkreis getrennt, streift dieses Leben ab.

Gib daher, wenn du vom Vollendeten gelernt hast, das Wehklagen auf. Angesichts der Toten und Verschiedenen denke: „Ich kann dem nicht entrinnen.“

Wie man eine brennende Zufluchtsstätte mit Wasser löschen würde, so würde ein Bedächtiger – ein weiser, kluger, geschickter Mensch – aufkommenden Kummer rasch fortwehen wie der Wind einen Wattebausch.

Wer sein eigenes Glück sucht, würde den Pfeil aus sich herausziehen – das Klagen und Stöhnen, die Traurigkeit im Innern.

Den Pfeil herausgezogen, ungebunden, im Herzen Frieden gefunden, allem Kummer entschlüpft, so ist man frei von Kummer und verloschen.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).