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SNP3.4

Mit Bhāradvāja von Sundarikā über den Opferkuchen

Pūraḷāsa (sundarikabhāradvāja) sutta

So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Buddha im Land der Kosaler auf, am Ufer des Flusses Sundarikā. Nun huldigte da gerade der Brahmane Bhāradvāja von Sundarikā am Ufer des Flusses Sundarikā der heiligen Flamme und brachte das Feueropfer dar. Dann erhob er sich von seinem Sitz, musterte rundum die vier Himmelrichtungen und dachte: „Wer könnte jetzt die Reste dieses Speiseopfers essen?“ Er sah den Buddha am Fuß eines Baumes meditieren, die Robe über den Kopf gezogen. Er nahm die Reste des Opfers in die linke Hand und einen Wasserkrug in die rechte und begab sich zum Buddha.

Als dieser die Schritte Bhāradvāja von Sundarikās hörte, enthüllt er seinen Kopf. Bhāradvāja von Sundarikā dachte: „Dieser Mann ist geschoren, er ist geschoren!“ Und er wollte umkehren. Aber er dachte: „Selbst manche Brahmanen sind geschoren. Warum gehe ich nicht zu ihm und frage ihn nach seiner Geburt?“ Und der Brahmane Bhāradvāja von Sundarikā ging zum Buddha und sagte zu ihm: „Werter Herr, was bist du von Geburt?“

Da redete der Buddha den Brahmanen Bhāradvāja von Sundarikā mit einer Strophe an:

„Ich bin kein Brahmane, noch bin ich ein Herrscher, auch kein Landarbeiter oder irgendetwas sonst. Den Stamm gewöhnlicher Menschen verstehe ich vollkommen, so wandere ich besonnen durch die Welt, besitze nichts.

In meinen Umhang gekleidet, wandere ich ohne Heim, mein Haar geschoren, verloschen. Da ich nicht durch die Söhne Manus belastet bin, ist es nicht angemessen, mich nach dem Stamm zu fragen.“

„Tatsächlich, Herr, fragen Brahmanen, wenn sie sich treffen, einander höflich, ob sie Brahmanen sind.“

„Nun, wenn du sagst, du seist ein Brahmane und ich sei keiner, werde ich dich nach diesem Sāvitrī-Gebet befragen mit seinen drei Zeilen und vierundzwanzig Silben.“

„Auf welcher Grundlage haben Seher und Menschen, Adlige und Brahmanen hier in der Welt, den Göttern so viele verschiedene Opfer dargebracht?“

„Wenn einer, der zum Ende gegangen ist, ein Wissensmeister, beim Opfer eine Gabe erhält, nutzt es dem Spender, sage ich.“

„Dann wird mein Speiseopfer sicher Erfolg haben“, sagte der Brahmane, „da ich einem solchen Wissensmeister begegnet bin! Weil ich nie jemanden wie dich getroffen habe, haben andere den Opferkuchen gegessen.“

„Nun, Brahmane, da du als Sucher nach dem Guten zu mir gekommen bist, frage. Vielleicht findest du hier einen, der verständig ist, friedvoll, ungetrübt, unbeschwert, der keine Hoffnung braucht.“

„Werter Gotama, ich liebe es, zu opfern, und wünsche, ein Opfer darzubringen. Bitte unterweise mich, denn ich verstehe nicht, wo ein Speiseopfer Erfolg hat; bitte sage es mir.“

„Nun, Brahmane, hör zu, ich will dich den Dhamma lehren:

Frag nicht nach der Geburt, frag nach dem Verhalten; denn das Feuer Jātaveda wird aus Holzstückchen geboren. Ein Abgeklärter, standhaft, selbst aus niederer Familie ist ein Vollblüter, wenn vom Gewissen in Schach gehalten.

Von der Wahrheit gezähmt, durch die Zähmung vollendet, Meister des vollständigen Wissens, der das geistliche Leben erfüllt hat – hier soll ein Brahmane, der Verdienst sucht, zur rechten Zeit ein Speiseopfer als Gabe darbringen.

Sinnenfreuden haben sie hinter sich gelassen, wandern heimatlos, selbst-beherrscht, gerade wie ein Weberschiffchen – hier soll ein Brahmane, der Verdienst sucht, zur rechten Zeit ein Speiseopfer als Gabe darbringen.

Die von Begehren Freien, mit gestillten Sinnen, wie der Mond befreit vom Griff der Mondfinsternis – hier soll ein Brahmane, der Verdienst sucht, zur rechten Zeit ein Speiseopfer als Gabe darbringen.

Sie wandern ungehindert durch die Welt, stets achtsam, nennen nichts ihr eigen – hier soll ein Brahmane, der Verdienst sucht, zur rechten Zeit ein Speiseopfer als Gabe darbringen.

Sinnenfreuden hat er hinter sich gelassen, wandert siegreich, er kennt das Ende von Wiedergeburt und Tod, vollkommen verloschen und kühl wie ein See: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Gut unter den Guten, von den Schlechten weit entfernt: Der Klargewordene besitzt Weisheit. Unbefleckt hier und im Jenseits: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

In wem nicht Betrug noch Einbildung wohnen, ohne Gier, selbstlos, wer keine Hoffnung braucht, den Zorn beseitigt, völlig verloschen, ein Brahmane, der den Fleck des Kummers los ist: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Das Heim des Geistes hat er aufgegeben und hat keinerlei Besitz. Kein Hier und kein Jenseits ergreift er: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Gesammelt ist er, hat die Flut überquert und die Lehre mit unvergleichlicher Ansicht verstanden, die Befleckungen aufgelöst, trägt seinen letzten Körper: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

In wem der Wunsch nach Wiedergeburt und ätzende Rede beseitigt und beendet und nicht mehr da sind, dieser Wissensmeister, in jeder Hinsicht frei: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Er ist seinen Ketten entschlüpft, nicht mehr gekettet, unter den in Einbildung Gefangenen ist er von Einbildung frei; das Leiden mit seinem Feld und Boden hat er vollständig verstanden: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Nicht auf Hoffnung gestützt, Abgeschiedenheit im Blick, über Ansichten, die von andern verkündet, hinaus – in ihm gibt es keinerlei Stützen: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Er hat alle Dinge, hoch und nieder, erfasst, hat sie beseitigt und beendet, sie sind nicht mehr. Friedvoll, durch Auflösung des Ergreifens befreit: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Er sieht die Auflösung der Fessel der Wiedergeburt und hat Begehren aller Art weggeschoben. Rein, fehlerfrei, unbefleckt, makellos: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Er sieht sich nicht in Begriffen eines Selbst, ist gesammelt, aufrecht und standhaft, unbewegt, gütig, wunschlos: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.

Er hegt keinerlei Täuschung im Innern, erkennt und sieht alle Dinge. Er trägt seinen letzten Körper, hat den glücklichen Zustand erlangt, das unübertreffliche Erwachen. So ist die Reinheit eines Geistes erklärt: Der Klargewordene ist des Opferkuchens würdig.“

„Mein Speiseopfer soll ein wahres Opfer sein, da ich einem solchen Wissensmeister begegnet bin! Ich sehe Brahmā persönlich! Nimm mein Opfer an, Gesegneter: Bitte iss meinen Opferkuchen.“

„Speise, die mit einem Vers besungen ist, ist für mich nicht zu genießen. Das ist nicht der Grundsatz derer, die sehen, Brahmane. Die Buddhas weisen Dinge zurück, die mit Versen besungen sind. Da das ein Naturgesetz ist, Brahmane, leben sie so.

Mit anderer Speise und anderem Trank bewirte den Vollkommenen, den großen Seher, dessen Befleckungen aufgelöst sind, dessen Reue gestillt. Denn er ist das Feld für den, der Verdienst sucht.“

„Bitte, Gesegneter, hilf mir, zu verstehen: Wenn ich jetzt, da ich deine Lehre gefunden habe, beim Opfer nach jemandem ausschaue, wer sollte die religiöse Gabe von einem wie mir essen?“

„Einer, der frei von Angriffslust und dessen Geist ungetrübt ist, der von Sinnenfreuden befreit ist und Dumpfheit vertrieben hat.

Einer, der Eingrenzungen und Schranken ausgelöscht hat, ein Kenner von Geburt und Tod, ein Abgeklärter, mit Abgeklärtheit gesegnet: Wenn ein Solcher zum Opfer kommt,

lege deine finstere Miene ab! Ehre ihn mit zusammengelegten Händen und verehre ihn mit Speise und Trank, und so wird deine religiöse Gabe Erfolg haben.“

„Der Buddha ist des Opferkuchens würdig, er ist das unübertreffliche Feld für Verdienst. Empfänger von Gaben von der ganzen Welt, was hier gespendet wird, ist äußerst fruchtbar.“

Daraufhin sagte der Brahmane Bhāradvāja von Sundarikā zum Buddha: „Vortrefflich, werter Gotama! Vortrefflich! Als würde er das Umgestürzte aufrichten oder das Verborgene enthüllen oder den Verirrten den Weg weisen oder im Dunkeln ein Licht anzünden, sodass Menschen mit klaren Augen sehen könnten, was da ist, so hat der werte Gotama die Lehre auf vielerlei Weise klargemacht. Ich nehme Zuflucht zum werten Gotama, zur Lehre und zum Saṅgha der Mönche und Nonnen. Darf ich in Gegenwart des werten Gotama die Weihe des Fortziehens erhalten, die Ordination?“ Und der Brahmane Bhāradvāja von Sundarikā erhielt in Gegenwart des Buddha die Weihe des Fortziehens, die Ordination. … Und nicht lange danach wurde er einer der Vollendeten.

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).