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DN12

Mit Lohicca

Lohiccasutta

So habe ich es gehört: Einmal wanderte der Buddha im Land der Kosaler mit einem großen Saṅgha von fünfhundert Mönchen und Nonnen. Da kam er nach Sālavatikā.

Damals residierte der Brahmane Lohicca in Sālavatikā. Es war ein Krongut, von König Pasenadi von Kosala verliehen, das von Lebewesen wimmelte und reichlich Heu, Wald, Wasser und Getreide besaß, ein königlicher Park, der einem Brahmanen geschenkt war.

Nun hatte Lohicca zu dieser Zeit den folgenden schädlichen Irrglauben: „Wenn ein Asket oder Brahmane eine taugliche Eigenschaft erwirbt, soll er das niemand anderem mitteilen. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun? Wie wenn jemand eine alte Fessel durchschnitte, nur, um wieder eine neue zu schaffen. Das ist die Folge so einer bösen, gierigen Tat, sage ich. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun?“

Lohicca hörte:

„Es scheint, der Asket Gotama – ein Sakyer, der von einer Familie der Sakyer fortgezogen ist – ist zusammen mit einem großen Saṅgha von fünfhundert Mönchen und Nonnen in Sālavatikā angekommen. Er hat diesen guten Ruf: ‚Dieser Gesegnete ist vollendet, ein vollkommen erwachter Buddha, von vollendetem Wissen und Verhalten, heilig, Kenner der Welt, unübertrefflicher Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, Lehrer von Göttern und Menschen, erwacht, gesegnet.‘ Er hat diese Welt – mit ihren Göttern, Māras und Brahmās, mit dieser Bevölkerung mit ihren Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen – durch eigene Einsicht erkannt und erklärt sie anderen. Er verkündet eine Lehre, die am Anfang gut, in der Mitte gut und am Ende gut ist, bedeutsam und gut ausgedrückt. Und er legt ein geistliches Leben dar, das ganz vollständig und rein ist. Es ist gut, solche Vollendeten zu sehen.“

Da wandte sich Lohicca an seinen Barbier Rosika: „Bitte, lieber Rosika, geh zu dem Asketen Gotama und beuge in meinem Namen deinen Kopf zu seinen Füßen. Frage ihn, ob er gesund und wohlauf ist, ob er wendig und kräftig ist und unbeschwert lebt. Und dann frage ihn, ob er bitte zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen die morgige Mahlzeit vom Brahmanen Lohicca annehmen wolle.“

„Ja, werter Herr“, antwortete Rosika. Er tat wie geheißen, und der Buddha schwieg zum Zeichen der Zustimmung.

Da erhob sich, als er die Zustimmung des Buddha erkannt hatte, Rosika von seinem Sitz, verbeugte sich, umrundete den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, ging zu Lohicca und sagte zu ihm: „Ich habe dem Buddha deine Nachricht überbracht und er hat zugestimmt.“

Als dann die Nacht vorüber war, ließ Lohicca in seiner eigenen Wohnung vorzügliche frische und gekochte Speisen zubereiten. Dann ließ er den Buddha über die Zeit benachrichtigen: „Bitte, lieber Rosika, geh zum Asketen Gotama und kündige ihm die Zeit an. Sage: ‚Es ist Zeit, werter Gotama, das Essen ist fertig.‘“

„Ja, werter Herr“, antwortete Rosika. Er tat wie geheißen.

Da kleidete der Buddha sich am Morgen an, nahm Schale und Robe und ging zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen nach Sālavatikā. Rosika ging hinter dem Buddha und berichtete ihm von Lohiccas Ansichten. Er fügte hinzu: „Herr, bitte bringe ihn von diesem schädlichen Irrglauben ab.“

„Hoffentlich kommt es so, Rosika, hoffentlich kommt es so.“

Dann begab sich der Buddha zu Lohiccas Wohnung, wo er sich auf den ausgebreiteten Sitz setzte. Und Lohicca bewirtete und bediente den Saṅgha der Mönche und Nonnen mit dem Buddha an der Spitze eigenhändig mit vorzüglichen frischen und gekochten Speisen.

1. Befragung Lohiccas

Als der Buddha gegessen und Hand und Schale gewaschen hatte, nahm Lohicca einen niedrigen Sitz und setzte sich zur Seite hin.

Der Buddha sagte zu ihm: „Ist es wirklich wahr, Lohicca, dass du solch einen schädlichen Irrglauben hast: ‚Wenn ein Asket oder Brahmane eine taugliche Eigenschaft erwirbt, soll er das niemand anderem mitteilen. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun? Wie wenn jemand eine alte Fessel durchschnitte, nur, um wieder eine neue zu schaffen. Das ist die Folge so einer bösen, gierigen Tat, sage ich. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun?‘“

„Ja, werter Gotama.“

„Was denkst du, Lohicca? Du residierst doch in Sālavatikā, ist es nicht so?“

„Ja, werter Gotama.“

„Lohicca, angenommen, da würde jemand sagen: ‚Der Brahmane Lohicca residiert in Sālavatikā. Er allein soll die Erträge genießen, die in Sālavatikā erwirtschaftet werden, und soll sie mit niemand anderem teilen.‘ Würde derjenige, der so spräche, es denen, deren Lebensunterhalt von dir abhängt, schwer machen oder nicht?“

„Er würde es ihnen schwer machen, werter Gotama.“

„Aber handelt jemand, der es anderen schwer macht, freundlich oder unfreundlich?“

„Unfreundlich, werter Gotama.“

„Aber hat ein unfreundlicher Mensch in seinem Herzen Liebe oder Feindseligkeit?“

„Feindseligkeit, werter Gotama.“

„Und wenn das Herz voller Feindseligkeit ist, ist das eine rechte Ansicht oder eine falsche Ansicht?“

„Eine falsche Ansicht, werter Gotama.“

„Jemand mit falscher Ansicht wird an einem von zwei Orten wiedergeboren, sage ich: in der Hölle oder im Tierreich.

Was denkst du, Lohicca? Herrscht der König Pasenadi über Kāsi und Kosala?“

„Ja, werter Gotama.“

„Lohicca, angenommen, da würde jemand sagen: ‚Der König Pasenadi herrscht über Kāsi und Kosala. Er allein soll die Erträge genießen, die in Kāsi und Kosala erwirtschaftet werden, und soll sie mit niemand anderem teilen.‘ Würde derjenige, der so spräche, es denen, deren Lebensunterhalt vom König Pasenadi abhängt, schwer machen oder nicht?“

„Er würde es ihnen schwer machen, werter Gotama.“

„Aber handelt jemand, der es anderen schwer macht, freundlich oder unfreundlich?“

„Unfreundlich, werter Gotama.“

„Aber hat ein unfreundlicher Mensch in seinem Herzen Liebe oder Feindseligkeit?“

„Feindseligkeit, werter Gotama.“

„Und wenn das Herz voller Feindseligkeit ist, ist das eine rechte Ansicht oder eine falsche Ansicht?“

„Eine falsche Ansicht, werter Gotama.“

„Jemand mit falscher Ansicht wird an einem von zwei Orten wiedergeboren, sage ich: in der Hölle oder im Tierreich.

Da scheint es, Lohicca, dass eine solche Aussage über dich oder über den König Pasenadi eine falsche Ansicht ausdrückt.

Und ebenso angenommen, da würde jemand sagen: ‚Wenn ein Asket oder Brahmane eine taugliche Eigenschaft erwirbt, soll er das niemand anderem mitteilen. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun? Wie wenn jemand eine alte Fessel durchschnitte, nur, um wieder eine neue zu schaffen. Das ist die Folge so einer bösen, gierigen Tat, sage ich. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun?‘

Da gibt es ehrbare Menschen, die sich auf die vom Klargewordenen verkündete Lehre und Schulung stützen und dadurch einen hohen erhabenen Zustand erreichen: Sie erlangen etwa die Frucht des Stromeintritts, die Frucht der Einmalwiederkehr, die Frucht der Nichtwiederkehr oder die Vollendung. Zusätzlich gibt es die, die die Samen für die Wiedergeburt in einem himmlischen Zustand zur Reife bringen. Der Mensch, der spricht, wie ich gesagt habe, macht es diesen schwer. Er handelt unfreundlich, sein Herz ist voller Feindseligkeit und er hat eine falsche Ansicht. Jemand mit falscher Ansicht wird an einem von zwei Orten wiedergeboren, sage ich: in der Hölle oder im Tierreich.

2. Drei Lehrer, die Zurechtweisung verdienen

Lohicca, es gibt drei Lehrer in der Welt, die verdienen, dass man sie zurechtweist. Wenn jemand solche Lehrer zurechtweist, ist diese Zurechtweisung wahr, richtig, berechtigt und ohne Tadel. Welche drei?

Da ist zunächst ein Lehrer, der das Ziel des Asketenlebens, für das er aus dem Haus fortgezogen ist ins hauslose Leben, nicht erreicht hat. Er lehrt seine Schüler: ‚Das ist zu eurem Wohl. Das ist zu eurem Glück.‘ Aber seine Schüler wollen nicht zuhören. Sie spitzen nicht die Ohren und versuchen nicht, zu verstehen. Sie fahren fort, indem sie sich von der Anleitung des Lehrers abwenden. Dieser Lehrer verdient, dass man ihn zurechtweist: ‚Ehrwürdiger, du hast das Ziel des Asketenlebens nicht erreicht. Und wenn du Schüler unterrichtest, so fahren sie fort, indem sie sich von der Anleitung des Lehrers abwenden. Wie ein Mann, der sich einer Frau nähert, obwohl sie zurückweicht, oder der sie umarmt, obwohl sie ihm den Rücken zuwendet: Das ist die Folge so einer bösen, gierigen Tat, sage ich. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun?‘ Das ist die erste Art von Lehrern, die verdienen, dass man sie zurechtweist.

Dann ist da ein Lehrer, der das Ziel des Asketenlebens, für das er aus dem Haus fortgezogen ist ins hauslose Leben, nicht erreicht hat. Er lehrt seine Schüler: ‚Das ist zu eurem Wohl. Das ist zu eurem Glück.‘ Und seine Schüler wollen zuhören. Sie spitzen die Ohren und versuchen, zu verstehen. Sie fahren fort, indem sie sich nicht von der Anleitung des Lehrers abwenden. Dieser Lehrer verdient, dass man ihn zurechtweist: ‚Ehrwürdiger, du hast das Ziel des Asketenlebens nicht erreicht. Und wenn du Schüler unterrichtest, so fahren sie fort, indem sie sich nicht von der Anleitung des Lehrers abwenden. Wie jemand, der sein eigenes Feld liegen lässt und sich erdreistet, das Feld eines anderen zu jäten: Das ist die Folge so einer bösen, gierigen Tat, sage ich. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun?‘ Das ist die zweite Art von Lehrern, die verdienen, dass man sie zurechtweist.

Dann ist da ein Lehrer, der das Ziel des Asketenlebens, für das er aus dem Haus fortgezogen ist ins hauslose Leben, erreicht hat. Er lehrt seine Schüler: ‚Das ist zu eurem Wohl. Das ist zu eurem Glück.‘ Aber seine Schüler wollen nicht zuhören. Sie spitzen nicht die Ohren und versuchen nicht, zu verstehen. Sie fahren fort, indem sie sich von der Anleitung des Lehrers abwenden. Dieser Lehrer verdient, dass man ihn zurechtweist: ‚Ehrwürdiger, du hast das Ziel des Asketenlebens erreicht. Doch wenn du Schüler unterrichtest, so fahren sie fort, indem sie sich von der Anleitung des Lehrers abwenden. Wie wenn jemand eine alte Fessel durchschnitte, nur, um wieder eine neue zu schaffen: Das ist die Folge so einer bösen, gierigen Tat, sage ich. Denn was kann ein Mensch schon für einen anderen tun?‘ Das ist die dritte Art von Lehrern, die verdienen, dass man sie zurechtweist.

Das sind die drei Lehrer in der Welt, die verdienen, dass man sie zurechtweist. Wenn jemand solche Lehrer zurechtweist, ist diese Zurechtweisung wahr, richtig, berechtigt und ohne Tadel.“

3. Ein Lehrer, der keine Zurechtweisung verdient

Darauf sagte Lohicca zum Buddha: „Aber werter Gotama, gibt es in der Welt einen Lehrer, der nicht verdient, dass man ihn zurechtweist?“

„Den gibt es, Lohicca.“

„Aber wer ist dieser Lehrer?“

„Da erscheint ein Klargewordener in der Welt, ein Vollendeter, ein vollkommen erwachter Buddha … So hat ein Mönch die Tugend vervollkommnet. … Er tritt in die erste Vertiefung ein und verweilt darin … Ein Lehrer, unter dem ein Schüler so einen hohen erhabenen Zustand erreicht, ist einer, der nicht verdient, dass man ihn zurechtweist. Wenn jemand einen solchen Lehrer zurechtweist, ist diese Zurechtweisung falsch, grundlos, unberechtigt und tadelnswert. Da tritt ein Mönch in die zweite Vertiefung ein und verweilt darin … in die dritte Vertiefung … in die vierte Vertiefung. Ein Lehrer, unter dem ein Schüler so einen hohen erhabenen Zustand erreicht, ist einer, der nicht verdient, dass man ihn zurechtweist … Da streckt ein Mönch seinen Geist aus und projiziert ihn auf das Erkennen und Sehen … Ein Lehrer, unter dem ein Schüler so einen hohen erhabenen Zustand erreicht, ist einer, der nicht verdient, dass man ihn zurechtweist … Da versteht ein Mönch: ‚… Es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘ Ein Lehrer, unter dem ein Schüler so einen hohen erhabenen Zustand erreicht, ist einer, der nicht verdient, dass man ihn zurechtweist. Wenn jemand einen solchen Lehrer zurechtweist, ist diese Zurechtweisung falsch, grundlos, unberechtigt und tadelnswert.“

Darauf sagte Lohicca zum Buddha:

„Werter Gotama, wie ein Mensch, der dabei wäre, eine Klippe hinabzustürzen, und ein anderer Mensch fasste ihn an den Haaren, zöge ihn hoch und stellte ihn auf festen Boden. Ebenso zog der werte Gotama mich, als ich dabei war, eine Klippe hinabzustürzen, hoch und stellte mich auf festen Boden.

Vortrefflich, werter Gotama! Vortrefflich! Als würde er das Umgestürzte aufrichten oder das Verborgene enthüllen oder den Verirrten den Weg weisen oder im Dunkeln ein Licht anzünden, sodass Menschen mit klaren Augen sehen könnten, was da ist, so hat der werte Gotama die Lehre auf vielerlei Weise klargemacht. Ich nehme Zuflucht zum werten Gotama, zur Lehre und zum Saṅgha der Mönche und Nonnen. Von diesem Tag an soll der werte Gotama mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).