← AN

AN9.12

2. Das Kapitel über das Löwengebrüll

2. Sīhanādavagga

Mit einem Rest

Einmal hielt sich der Buddha bei Sāvatthī in Jetas Wäldchen auf, dem Kloster des Anāthapiṇḍika.

Da kleidete sich der ehrwürdige Sāriputta am Morgen an, nahm Schale und Robe und betrat Sāvatthī zum Almosengang. Da kam ihm in den Sinn: „Es ist zu früh für den Almosengang in Sāvatthī. Warum besuche ich nicht das Kloster der Wanderer anderer Konfessionen?“ Und er ging zu dem Kloster der Wanderer anderer Konfessionen und tauschte dort mit den Wanderern Willkommensgrüße aus. Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzte er sich zur Seite hin.

Nun kam da gerade unter den Wanderern anderer Konfessionen, als sie dort beisammensaßen, dieses Gespräch auf:

„Geehrte, niemand, der mit einem Rest stirbt, ist befreit von der Hölle, dem Tierreich oder dem Gespensterreich. Er ist nicht befreit von verlorenen Orten, von schlechten Orten, von der Unterwelt.“

Weder begrüßte Sāriputta diese Aussage der Wanderer anderer Konfessionen, noch lehnte er sie ab. Er erhob sich von seinem Sitz und dachte: „Ich will die Bedeutung dieser Aussage in Gegenwart des Buddha selbst erfahren.“

Danach zog Sāriputta um Almosen durch Sāvatthī. Nach dem Essen, als er vom Almosengang zurückkam, ging er zum Buddha, verbeugte sich, setzte sich zur Seite hin und berichtete ihm die Begebenheit.

„Sāriputta, diese törichten, unfähigen Wanderer anderer Konfessionen: Wer sind sie, dass sie wüssten, ob bei jemandem ein Rest da ist oder nicht?

Es gibt diese neun Personen, die mit einem Rest sterben und die befreit sind von der Hölle, dem Tierreich und dem Gespensterreich; sie sind befreit von verlorenen Orten, von schlechten Orten, von der Unterwelt. Welche neun?

Da hat eine Person Tugend und Versenkung erfüllt und besitzt begrenzte Weisheit. Mit dem Auflösen der fünf niederen Fesseln erlischt sie zwischen zwei Leben. Das ist die erste Person, die mit einem Rest stirbt und die befreit ist von der Hölle, dem Tierreich und dem Gespensterreich; sie ist befreit von verlorenen Orten, von schlechten Orten, von der Unterwelt.

Dann hat da eine Person Tugend und Versenkung erfüllt und besitzt begrenzte Weisheit. Mit dem Auflösen der fünf niederen Fesseln erlischt sie beim Auftreffen. Das ist die zweite Person …

Mit dem Auflösen der fünf niederen Fesseln erlischt sie ohne zusätzliche Anstrengung. Das ist die dritte Person …

Mit dem Auflösen der fünf niederen Fesseln erlischt sie mit zusätzlicher Anstrengung. Das ist die vierte Person …

Mit dem Auflösen der fünf niederen Fesseln geht sie stromaufwärts zum Akaniṭṭha-Bereich. Das ist die fünfte Person …

Dann hat da eine Person die Tugend erfüllt und besitzt begrenzte Versenkung und Weisheit. Mit dem Auflösen von drei Fesseln und dem Abschwächen von Gier, Hass und Täuschung ist sie ein Einmalwiederkehrer. Nur einmal kehrt sie in diese Welt zurück, um dann dem Leiden ein Ende zu machen. Das ist die sechste Person …

Dann hat da eine Person die Tugend erfüllt und besitzt begrenzte Versenkung und Weisheit. Mit dem Auflösen von drei Fesseln ist sie einer, der nur einmal keimt. Nur einmal wird sie in einem menschlichen Dasein wiedergeboren, um dann dem Leiden ein Ende zu machen. Das ist die siebte Person …

Dann hat da eine Person die Tugend erfüllt und besitzt begrenzte Versenkung und Weisheit. Mit dem Auflösen von drei Fesseln geht sie von einer Familie zur anderen. Sie wird zwischen zwei oder drei Familien umherwandern und dann dem Leiden ein Ende machen. Das ist die achte Person …

Dann hat da eine Person die Tugend erfüllt hat und besitzt begrenzte Versenkung und Weisheit. Mit dem Auflösen von drei Fesseln hat sie höchstens sieben Wiedergeburten. Sie wird höchstens siebenmal zwischen Göttern und Menschen umherwandern und dann dem Leiden ein Ende machen. Das ist die neunte Person, die mit einem Rest stirbt und befreit ist von der Hölle, dem Tierreich und dem Gespensterreich; sie ist befreit von verlorenen Orten, von schlechten Orten, von der Unterwelt.

Diese törichten, unfähigen Wanderer anderer Konfessionen: Wer sind sie, dass sie wüssten, ob bei jemandem ein Rest da ist oder nicht? Das sind die neun Personen, die mit einem Rest sterben und die befreit sind von der Hölle, dem Tierreich und dem Gespensterreich; sie sind befreit von verlorenen Orten, von schlechten Orten, von der Unterwelt.

Bis jetzt, Sāriputta, habe ich es nicht für nötig gehalten, den Mönchen, Nonnen, Laienmännern und Laienfrauen diese Lehrdarlegung vorzutragen. Warum ist das so? Weil ich nicht wollte, dass die, die sie hören, nachlässig werden. Doch ich habe sie vorgetragen, um deine Frage zu beantworten.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).