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AN6.54

5. Das Kapitel mit Dhammika

5. Dhammikavagga

Mit Dhammika

Einmal hielt sich der Buddha bei Rājagaha auf der Geierkuppe auf.

Damals war der Ehrwürdige Dhammika in allen sieben Klöstern seines Heimatlandes ansässig. Dort beschimpfte er die Mönche, die von außerhalb kamen; er beleidigte sie, fügte ihnen Leid zu, griff sie an und bedrängte sie. Die Mönche, die von außerhalb kamen und so behandelt wurden, blieben nicht. Sie gingen weg und mieden das Kloster.

Da dachten die einheimischen Laienschüler: „Wir haben den Saṅgha der Mönche und Nonnen mit Roben, Almosen, Unterkunft sowie Arznei und Krankenversorgung versorgt. Doch die Mönche, die von außerhalb kommen, bleiben nicht. Sie gehen weg und meiden das Kloster. Was ist der Grund, was ist die Ursache dafür?“

Dann dachten die einheimischen Laienschüler: „Dieser Ehrwürdige Dhammika beschimpft die Mönche, die von außerhalb kommen; er beleidigt sie, fügt ihnen Leid zu, greift sie an und bedrängt sie. Die Mönche, die von außerhalb kommen und so behandelt werden, bleiben nicht. Sie gehen weg und meiden das Kloster. Warum vertreiben wir nicht den Ehrwürdigen Dhammika?“

Darauf gingen die einheimischen Laienschüler zum Ehrwürdigen Dhammika und sagten zu ihm: „Herr, bitte verlasse dieses Kloster. Du bist hier lange genug gewesen.“

Da verließ der Ehrwürdige Dhammika dieses Kloster und ging zu einem anderen. Dort beschimpfte er die Mönche, die von außerhalb kamen; er beleidigte sie, fügte ihnen Leid zu, griff sie an und bedrängte sie. Die Mönche, die von außerhalb kamen und so behandelt wurden, blieben nicht. Sie gingen weg und mieden das Kloster.

Da dachten die einheimischen Laienschüler: … „Warum vertreiben wir nicht den Ehrwürdigen Dhammika?“

Sie sagten zum Ehrwürdigen Dhammika: „Herr, bitte verlasse dieses Kloster. Du bist hier lange genug gewesen.“

Da verließ der Ehrwürdige Dhammika dieses Kloster und ging zu einem anderen. Dort beschimpfte er die Mönche, die von außerhalb kamen; er beleidigte sie, fügte ihnen Leid zu, griff sie an und bedrängte sie. Die Mönche, die von außerhalb kamen und so behandelt wurden, blieben nicht. Sie gingen weg und mieden das Kloster.

Da dachten die einheimischen Laienschüler: „Warum vertreiben wir nicht den Ehrwürdigen Dhammika aus allen sieben Klöstern in unserem Heimatland?“

Darauf gingen die einheimischen Laienschüler zum Ehrwürdigen Dhammika und sagten zu ihm: „Herr, bitte verlasse alle sieben Klöster in unserem Heimatland.“

Da dachte der Ehrwürdige Dhammika: „Ich wurde von den einheimischen Laienschülern aus allen sieben Klöstern in meinem Heimatland vertrieben. Wo soll ich jetzt hingehen?“ Er dachte: „Warum gehe ich nicht zum Buddha?“

Und der Ehrwürdige Dhammika nahm Schale und Robe und brach nach Rājagaha auf. Schließlich erreichte er Rājagaha und die Geierkuppe. Er ging zum Buddha, verbeugte sich und setzte sich zur Seite hin. Der Buddha sagte zu ihm: „Nun, Brahmane Dhammika, wo kommst du her?“

„Herr, ich wurde von den einheimischen Laienschülern aus allen sieben Klöstern in meinem Heimatland vertrieben.“

„Genug, Brahmane Dhammika, was soll dir das? Jetzt, wo du von all diesen Orten vertrieben wurdest, bist du zu mir gekommen.

Es waren einmal ein paar seefahrende Händler, die setzten ihre Segel, um aufs offene Meer zu fahren, und nahmen einen Küstenspäher-Vogel mit. Als ihr Schiff außer Sichtweite der Küste war, ließen sie den Vogel frei. Er flog geradewegs nach Osten, nach Westen, nach Norden, nach Süden, nach oben und in die Zwischenräume. Wenn er in einer Richtung Land sah, flog er hin und blieb dort. Aber wenn er in keiner Richtung Land sah, kehrte er zum Schiff zurück. Ebenso bist du jetzt, wo du von all diesen Orten vertrieben wurdest, zu mir gekommen.

Es war einmal ein König Koravya, der hatte einen königlichen Banyanbaum mit fünf Stämmen, der den Namen Standfest trug. Der spendete kühlen Schatten und war dem Geist gefällig. Seine Krone erstreckte sich zwölf Meilen weit, und das Netz seiner Wurzeln reichte fünf Meilen weit. Seine Früchte waren so groß wie ein Reistopf, und sie waren so süß wie reiner wilder Honig. Der König und sein Harem aßen von einem Stamm, das Heer von einem anderen, die Menschen aus Stadt und Land von einem anderen, Asketen und Brahmanen von einem anderen und Tiere und Vögel wieder von einem anderen. Niemand bewachte die Früchte, doch niemand beschädigte die Früchte eines anderen.

Dann aß sich da ein gewisser Mensch an den Früchten ordentlich satt, brach einen Ast ab und ging damit weg. Da dachte die Gottheit, die in dem königlichen Banyanbaum hauste: ‚Ach, wie unglaublich! Wie erstaunlich! Wie böse ist dieser Mensch, dass er sich an den Früchten ordentlich satt isst, einen Ast abbricht und damit weggeht! Warum sorge ich nicht dafür, dass der königliche Banyanbaum in Zukunft keine Früchte mehr trägt?‘ Und der königliche Banyanbaum trug keine Früchte mehr.

Da ging der König Koravya zu Sakka dem Götterfürsten und meldete ihm: ‚Bitte Kamerad, du sollst wissen, dass der königliche Banyanbaum mit Namen Standfest keine Früchte trägt.‘ Darauf setzte Sakka seine übersinnliche Kraft ein und veranlasste, dass ein gewaltiger Sturm losbrach. Der warf den königlichen Banyanbaum um und entwurzelte ihn. Die Gottheit, die in dem Baum hauste, stand daneben, elend und traurig, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht.

Da ging Sakka zu der Gottheit und sagte: ‚Gott, warum stehst du auf der Seite, elend und traurig, weinend, mit tränenüberströmtem Gesicht?‘

‚Weil, Kamerad, ein gewaltiger Sturm losbrach, der mein Zuhause umgeworfen und entwurzelt hat.‘

‚Nun, hast du denn zu deiner Baumpflicht gestanden, als der Sturm losbrach?‘

‚Aber Kamerad, wie steht ein Baum zu seiner Pflicht?‘

‚Es ist, wenn die, die Wurzeln, Rinde, Blätter, Blüten oder Früchte von dem Baum brauchen, diese nehmen. Doch die Gottheit ist deswegen nicht verstimmt oder aufgebracht. So steht ein Baum zu seiner Pflicht.‘

‚Ich habe nicht zu meiner Baumpflicht gestanden, als der Sturm losbrach und mein Zuhause umwarf und entwurzelte.‘

‚Gott, wenn du zu deiner Baumpflicht stehst, kann dein Zuhause wieder so werden, wie es war.‘

‚Ich will zu meiner Baumpflicht stehen! Mein Zuhause soll wieder so werden, wie es war!‘

Und Sakka setzte seine übersinnliche Kraft ein und veranlasste, dass ein gewaltiger Sturm losbrach. Der richtete diesen gewaltigen Banyanbaum wieder auf, und die Wurzelrinde war vollständig heil.

Ebenso, Brahmane Dhammika: Hast du zu deiner Asketenpflicht gestanden, als die einheimischen Laienschüler dich aus allen sieben Klöstern in deinem Heimatland vertrieben haben?“

„Aber Herr, wie steht man zu seiner Asketenpflicht?“

„Wenn jemand einen Asketen beschimpft, belästigt oder mit ihm streitet, beschimpft er den anderen nicht wieder, belästigt ihn nicht und streitet nicht mit ihm. So steht ein Asket zu seiner Asketenpflicht.“

„Ich habe nicht zu meiner Asketenpflicht gestanden, als die einheimischen Laienschüler mich aus allen sieben Klöstern in meinem Heimatland vertrieben haben.“

„Es war einmal ein Lehrer mit Namen Sunetta. Der war ein Religionsstifter und war frei von Begierde nach Sinnenfreuden. Er hatte viele hundert Schüler. Er lehrte sie den Weg zur Wiedergeburt in der Gemeinschaft mit Brahmā. Die, die keine Zuversicht zu Sunetta hatten, wurden, als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, an einem verlorenen Ort wiedergeboren, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Die, die voller Zuversicht zu Sunetta waren, wurden, als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, an einem guten Ort wiedergeboren, in einer himmlischen Welt.

Es war einmal ein Lehrer mit Namen Mūgapakkha … ein Lehrer mit Namen Aranemi … ein Lehrer mit Namen Kuddālaka … ein Lehrer mit Namen Hatthipāla … und ein Lehrer mit Namen Jotipāla. Der war ein Religionsstifter und war frei von Begierde nach Sinnenfreuden. Er hatte viele hundert Schüler. Er lehrte sie den Weg zur Wiedergeburt in der Gemeinschaft mit Brahmā. Die, die keine Zuversicht zu Jotipāla hatten, wurden, als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, an einem verlorenen Ort wiedergeboren, einem schlechten Ort, in der Unterwelt, der Hölle. Die, die voller Zuversicht zu Jotipāla waren, wurden, als ihr Körper auseinanderbrach, nach dem Tod, an einem guten Ort wiedergeboren, in einer himmlischen Welt.

Was meinst du, Brahmane Dhammika? Wenn jemand diese sechs Lehrer mit ihren Hunderten von Anhängern mit gehässigem Geist beschimpft und beleidigt, würde der nicht von viel Verderbnis überfließen?“

„Ja, Herr.“

„Er würde wahrhaftig von viel Verderbnis überfließen, Brahmane Dhammika. Aber jemand, der eine einzige Person, die die Ansicht vervollkommnet hat, mit gehässigem Geist beschimpft und beleidigt, fließt noch von viel mehr Verderbnis über. Warum ist das so? Brahmane Dhammika, ich sage, kein Schaden, der unter Außenstehenden angerichtet wird, lässt sich mit dem vergleichen, was man seinen eigenen geistlichen Gefährten antut. Daher sollt ihr euch so schulen: ‚Wir wollen gegenüber denen, die wir uns als geistliche Gefährten wünschen, keinen gehässigen Geist hegen.‘ So sollt ihr euch schulen.

Sunetta und Mūgapakkha und der Brahmane Aranemi, der Vedenstudent Hatthipāla und Kuddālaka waren Lehrer,

und Jotipāla Govinda war Priester für sieben Könige. Diese sechs berühmten Lehrer, die Mildherzigen von früher,

waren von Aasgeruch frei, voller Mitgefühl und über die Fessel der Sinnlichkeit hinausgelangt. Von sinnlicher Begierde abgelöst, wurden sie in der Brahmāwelt wiedergeboren.

Viele hundert ihrer Schüler waren ebenfalls von Aasgeruch frei, voller Mitgefühl und über die Fessel der Sinnlichkeit hinausgelangt. Von sinnlicher Begierde abgelöst, wurden sie in der Brahmāwelt wiedergeboren.

Ein Mensch, der in gehässiger Absicht die außenstehenden Seher beschimpft, die frei von Begierde sind, im Samādhi versunken, ein solcher Mensch fließt über von viel Verderbnis.

Doch ein Mensch, der einen einzigen in der Ansicht Vervollkommneten, einen Mönch, Schüler des Buddha, in gehässiger Absicht beschimpft, dieser Mensch fließt von noch mehr Verderbnis über.

Einen heiligen Menschen, der die Grundlagen für Ansichten aufgegeben hat, sollst du nicht angreifen. Diese Person nennt man die Siebte im edlen Saṅgha.

Sie ist nicht frei von Begierde nach Sinnenfreuden, und ihre Fähigkeiten sind noch nicht gereift: Vertrauen, Achtsamkeit und Energie, Sammlung und Klarsicht.

Wenn du solch einen Mönch angreifst, verletzt du zuerst dich selbst. Wenn du dich selbst verletzt hast, verletzt du den anderen.

Aber wenn du dich selbst schützt, ist auch der andere geschützt. Daher sollst du dich selbst schützen. Ein kluger Mensch ist stets unverletzt.“

Übersetzung: Deutsch (sabbamitta), English (sujato). Quelle: SuttaCentral / Bilara (gemeinfrei, CC0).